Das Wort zum Alltag

Seit dem 1. Dezember 1968 gibt es von Montag bis Freitag um 17.00 Uhr und Samstag um 12.00 Uhr eine kurze Andacht mit Gebet, die von Orgelmusik gerahmt wird.
Wir möchten Menschen damit ermöglichen für ihre eigene Praxis pietatis eine regelmäßige Form zu finden. Zugleich birgt das Format die Möglichkeit auf die jeweils aktuellen Ereignisse in unserer Stadt und unserer Welt zu reagieren.

Während des Advents und der Friedensdekade hat das Wort zum Alltag einen besonderen Akzent. Das Wort zum Alltag wird in der Regel von der Dompredigerin, sowie von anderen Braunschweiger Pfarrerinnen und Pfarrern und Prädikanten gehalten. Die umrahmende Orgelmusik übernehmen die Kantoren des Braunschweiger Doms.

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Worte zum Alltag

  Wald, Bäume und Förster

Wald, Bäume und Förster

Cornelia Götz, Dompredigerin - 20.05.2022

In unserer Stadt tagt derzeit die 70. Forstvereinstagung. Es sind Hunderte Förster hier und jedenfalls mir gefällt die Vorstellung. Als ich jung war, hielt ich es für den absoluten Traumberuf – aber die Zeichen standen nicht so, dass ich das hätte werden können. Heute stelle ich es mir ungeheuer herausfordernd vor, für den Wald und seine Zukunft Verantwortung übernehmen zu wollen – inzwischen ist ja auch für den Laien augenscheinlich, dass die Waldwirtschaft so wie wir sie bisher kannten, ans Ende gekommen ist.
Über Waldstandserhebungen, trockene Böden und fitte Schädlinge, kaputte Kronen und Stürme werden sich die Konferenzteilnehmer den Kopf zerbrechen. Das Bergfest der Tagung allerdings findet nachher mit einem Ökumenischen Gottesdienst hier statt.
Der kommt uns mit Blick auf die Vorbereitungen des Tage der Domsingschule nicht 100%ig gelegen – aber ich habe in einem Andachtsbuch gelesen: „Die Kinder segnen, das heißt, die Bäume für sie stehen lassen.“ Und so hängt - wie so oft alles mit allem - zusammen.
Auch wenn es im Moment nicht so sehr darum geht, Bäume stehen zu lassen oder nicht, so ist die Frage nach dem Wald eine Zukunftsfrage, eine die das Leben unserer Kinder betrifft. Jenseits aller romantischen Verklärung des deutschen Waldes ist er ein Lebensraum und ein Zusammenhang unterschiedlichster Geschöpfe.
In Canada ist mir bewusst geworden, dass unser Werben mit der Schöpfung achtsam umzugehen, womöglich ein bisschen größenwahnsinnig ist. Learn to coexist heißt dort: lerne mit der Natur umzugehen, nicht um sie zu schützen, sondern um dich selbst zu schützen, weil sie eben so viel größer und gewaltiger, manchmal auch gefährlicher ist. Das ist einerseits eine Demutsübung und andererseits auch ein Trost:
Gottes Schöpfung ist größer und birgt mehr Möglichkeiten und damit auch Zukunft als wir ahnen. Es lohnt, sich daran zu erinnern.

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  wer ich auch bin

wer ich auch bin

Cornelia Götz, Dompredigerin - 19.05.2022

Von Dietrich Bonhoeffer stammt ein berühmter Text: „Wer bin ich?“ und er beginnt so: „Sie sagen mir oft, ich spräche mit meinen Bewachern frei und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten. Wer bin ich? Sie sagen mir auch, ich trüge die Tage des Unglücks gleichmütig … Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig…“
Er erzählt von seiner Irritation, dass andere sich an ihm orientieren, ihn für stark und stabil halten, bei ihm Trost suchen, obwohl er sich selbst doch verloren, allein und in Ängsten erlebt.
Und außerdem klingt das Staunen durch, dass es darauf ankommen könnte, was eine oder ein einzelner denkt und tut, selbst wenn er / sie sich ganz und gar ohnmächtig fühlt, ohne Stimme, gefangen.
So ist es nicht nur im Gefängnis der Gestapo – sondern auch in dem sehr alltäglichen Ringen um Glaubwürdigkeit und Geradlinigkeit einerseits Verständnis und Toleranz andererseits.
Wir kennen das alle; jede und jeder in anderem Zusammenhang.
Ein sehr eindrückliches, aktuelles und doch ganz anderes Beispiel findet sich in Kim Hye-Jins Roman „Die Tochter“. Eine koreanische Frau, Pflegerin in einem Altenheim, die ein unauffälliges Leben führen möchte und dies in aller Bescheidenheit auch versucht, erzählt von ihrer Ratlosigkeit angesichts des Lebensentwurfes ihrer Tochter. Die lebt mit einer Frau, geht auf Demonstrationen und führt einen englischen Vornamen – mithin: stellt Traditionen infrage. Und sie sagt: „Mama, es sind Leute wie du, die verhindern“ dass sich etwas ändert. „Hast Du darüber schon mal nachgedacht?“
Und ihre Mutter denkt nach, fragt sich, wer sie ist und sagt: „Ich bin ein guter Mensch… oder vielleicht auch nicht.“
Sie quält sich und endet in Schweigen.
Bei Bonhoeffer endet das Fragen mit einem gr0ßen Trost.
„Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott, Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott.“

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  Vater vergib

Vater vergib

Cornelia Götz, Dompredigerin - 18.05.2022

Wort zum Alltag 18. Mai 2022
Immer wieder und erst recht in diesen Wochen, wenn in den Andachten hier das Nagelkreuzgebet aus Coventry laut wird, staune ich, wie weit es gefasst ist. Die Autoren des Gebetes standen in Trümmern ihrer Kathedrale und Häuser. Sie erlebten einen Angriffskrieg nicht nur mit Bomben auf ihre Städte und Infrastruktur sondern auch auf Menschenrechte und Menschenwürde.
Es wäre nur zu verständlich gewesen, wenn sie die Täter beim Namen genannt und davon abgesehen hätten, was sie selbst - eben wir alle - zum Unfrieden in dieser Welt beitragen.
Mitten im Krieg und angesichts erbitterter Feindschaft haben diejenigen, die dies Gebet formulierten, ernstgenommen, dass wir Versöhnung nicht diktieren können – sondern bei uns selbst anfangen müssen.
So schauen wir angesichts des aktuellen Krieges, der wachsenden Armut und der immer weiter zunehmenden sozialen Ungleichheit auf
• den Hass, der Völker, Klassen und Schichten trennt und dafür sorgt, dass Vorurteile unseren Umgang miteinander prägen, dass wir uns erlauben, einander zu beschimpfen, zu demütigen, zu drohen
• die Habsucht, die kein Genug kennt und uns in Abhängigkeiten treibt, die nicht davor zurückschreckt andere auszunutzen und sie den Preis für unsere Gier zahlen zu lassen
• den Neid, der sich nicht nur sehnt, etwa auch besitzen oder können zu wollen, sondern vor allem missgönnt, bis alles vergiftet ist
• die mangelnde Teilnahme am Leid anderer und selbstgefällige Entschuldigung, dass wir nur eine Krise auf einmal im Blick behalten können
• den Rausch, der uns vergessen lässt, dass wir Verstand, Scham und Gewissen betäuben
• den Hochmut, der noch immer glaubt, alles im Griff zu haben, alles verantworten zu können.
So alt ist diese Analyse.
So aktuell ist sie geblieben.
Es schmerzt, dass jede Zeile noch immer so dringend der Vergebung bedarf.
Und es tröstet, dass Menschen überall auf der Welt so bitten, wie wir das jetzt auch gleich tun werden – eben wohl wissend, dass es an uns ist, hier und jetzt, jeder an seinem Ort.

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  Wie liebllich ist der Maien

Wie liebllich ist der Maien

Cornelia Götz, Dompredigerin - 16.05.2022

Wenn man an einem so herrlichen Tag draußen unter dem blitzblauen Himmel unterwegs ist, den Vögeln zuhört und Kindern in ihren fröhlichen leichten Sommersachen zusieht, wie sie mit Fahrrädern und Rollern herumflitzen (und ja, selbst dann, wenn ein Sommerregen aufzieht), dann bekommt man automatisch gute Laune, erwischt sich beim Pfeifen an der Ampel und findet Joachim Ringelnatz gar nicht mehr so überzogen, wenn er dichtet:
„Ich bin so knallvergnügt erwacht. / Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht. / Es dürstet mich nach Lüften. …
Aus meiner tiefsten Seele zieht / Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit / Nach Frühstück und nach Leben.“
Ein Musterbeispiel für die seltsame Ungleichzeitigkeit des Lebens: während die allgemeine Weltlage keinerlei Gründe liefert, knallvergnügt zu sein,
ignoriert die Natur Krieg und Leid und leuchtet und blüht und strotzt voller Leben – und die Seele will mit. Ich erinnere mich an eine Gruppensupervison vor vielen Jahren, bei der ein heftiger schier unlösbarer Konflikt im Raum stand. Überraschenderweise wurden wir damals mitten im Prozess zu zweit vor die Tür geschickt. Wir sollten draußen rumlaufen und uns erzählen, aus welchen Quellen wir schöpfen, was uns freut und glücklich macht.
Eine uralte Vergewisserungsübung.
Sie klingt auch durch den wunderbaren Frühlingschoral „Wie lieblich ist der Maien“. Der Text stammt aus dem Jahre 1606. Auch damals war die Welt in Unruhe, Pest, Pocken, Cholera, Kriege, Hunger, Missernten, Kindersterblichkeit, schwere Geburten … die Liste ließe sich lang fortsetzen.
Auch damals haben Menschen gespürt, wie Herz und Sinn leichter wurden, weil die Natur ein anderes Lied erzählt und haben dankbar registriert, dass Gott Heilsames parat hält, damit die Seele nicht zerdrückt wird, dass Herz nicht zerbricht, anders vor Augen steht:
„Wie lieblich ist der Maien / aus lauter Gottesgüt, / des sich die Menschen freuen, / weil alles grünt und blüht!
Die Tier sieht man jetzt springen / mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen, / die loben Gott mit Freud.
Herr, dir sei Lob und Ehre / für solche Gaben Dein.
Die Blüt zur Frucht vermehre, / lass sie ersprießlich sein.
Es steht in Deinen Händen, / Dein Macht und Güt ist groß,
drum wollst Du von uns wenden / Mehltau, Frost, Reif und Schloss.“

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  "mit meiner kleinen Stimme"

"mit meiner kleinen Stimme"

Cornelia Götz, Dompredigerin - 14.05.2022

2019 war das die Jahreslosung. Corona lag noch vor uns, ganz zu schweigen vom Ukrainekrieg. Auch ohne diese Krisen brannte uns das Thema unter den Nägeln. Wir redeten darüber, dass Frieden nicht selbstverständlich ist, dass man ihn nicht besitzen kann. Wir versuchten zu begreifen, was konkret wir tun können – allermeist ging es dabei um eine gerechtere Weltwirtschaft und Achtsamkeit im Umgang mit der Schöpfung, um Krisen weit weg von uns.
Damals musste ich mich hier manchmal verteidigen, dass ich das Friedensthema immer wieder auf der Agenda hatte - als handelte es sich nicht um eine höchst aktuelle Frage.
Drei Jahre später ist diese händeringend Suche, die schweißtreibende Jagd nach dem Frieden noch dringender geworden. Wir streiten um richtige Wege, werden daran erinnert, dass sogar in der Präambel des Grundgesetzes eine „Friedenswille-Erklärung“ steht und ringen mit den Entscheidungen, die nun getroffen werden müssen: Waffenlieferungen, Natoerweiterung, Energieversorgung, Wehrpflicht, wirtschaftliche Neuordnung…
Hilde Domin, die 1909 in Köln geboren wurde und 2006 in Heidelberg starb, gehört zur der Generation, deren Leben von Kriegen, Diktaturen, Exil und Aufrüstung geprägt war. Sie dichtete:
Das ist unsere Freiheit / die richtigen Namen nennend / furchtlos / mit der kleinen Stimme
einander rufend / mit der kleinen Stimme / das Verschlingende beim Namen nennen / mit nichts als unserem Atem
salva nos ex oris leonis / den Rachen offen halten / in dem zu wohnen / nicht unsere Wahl ist.
In aller Ohnmacht, so sagt sie uns, bei aller Erschöpfung der Friedensjagd und obwohl unsere Stimme so klein ist, dass man sich kaum vorstellen kann, gehört zu werden: wir haben die Freiheit darüber zu reden und auszusprechen, was den Frieden gefährdet, was unsere Welt verschlingt, unsere Angst schürt, was wir uns nicht vorstellen mögen …
Es hat keinen Sinn, uns aus dem Löwenmaul wegzuwünschen. Es hat aber Sinn, unsere Stimme zu nutzen und dazu beizutragen, dass der große Raum zwischen den Extremen von Krieg und Frieden, in dem wir leben, nicht dunkler, sondern heller wird. Und wenn wir das nicht glauben können, dann hilft vielleicht der Zuspruch über diesem Tag heute aus den Klageliedern: „Die Barmherzigkeit des HERRN hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.“

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  Bitte, mach sie gesund!

Bitte, mach sie gesund!

Cornelia Götz, Dompredigerin - 14.05.2022

Über diesem Tag heißt es in den Herrnhuter Losungen aus dem 30. Psalm: „Herr, mein Gott, da ich schrie zu dir, machtest du mich gesund.“
Da ich schrie zu dir…
Die allermeisten schreien nicht, sondern halten still und leise aus, was es an Schmerzen, Mühsal, beschämenden Prozeduren zu ertragen gilt.
Eine, die vermutlich auch nicht schreit, ist Hanna Kurdjuk. Sie liegt, so habe ich heute im Magazin der Süddeutschen Zeitung gelesen, mit Verbrennungen und Knochenbrüchen im Krankenhaus in Tschernihiw, einer Stadt nördlich von Kiew. Eine Granate hatte in eine Menschenschlange eingeschlagen, die nach Brot anstand…
Nun schaue ich – eigentlich gar nicht so weit weg und doch in einer unfassbar anderen Welt - das Foto an, wie sie blass und mit geblümten Kopftuch im Bett liegt. Auf ihrem Leib balanciert sie einen Blechteller mit Buchweizenbrei und ein Stück Brot. Ob sie das so essen kann? Ob sie überhaupt etwas runterbekommt?
Wer lange fest liegen muss, der weiß, wie zermürbend das ist – nicht nur, weil man sich nicht bewegen darf, nicht zur Toilette kann oder die Haare waschen sondern auch, weil man die irrlichternden Gedanken nicht hindern kann sich gnadenlos festzusetzen. Ohnmächtig dazu verurteilt, nichts tun zu können, liegen Sorgen noch ein gutes Stück schwerer auf der Brust – erst recht dann, wenn man wegen all der Unbequemlichkeit und Schmerzen nicht schlafen kann und die Nächte länger und länger werden.
Das macht mürbe.
Und erst recht, wenn Krieg ist und niemand weiß, wie die Situation zu Hause ist. Dort warten ein Mann und ein behindertes Kind…
Noch einmal schaue ich das Gesicht auf der Fotografie an. Der Blick der armen Frau ist auf den Teller gerichtet. Vielleicht hat sie ganz vergessen zu essen. Vielleicht fragt sie sich, was ihr Kind, was ihr Mann zu essen haben, ob sie überhaupt noch einen Teller besitzen?
„Herr, mein Gott, da ich schreie, bitte mach sie gesund.“



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  Und erlöse uns...

Und erlöse uns...

Cornelia Götz, Dompredigerin - 11.05.2022

Hin und wieder habe ich es schon anklingen lassen und Sie werden vermutlich immer wieder davon ein bisschen hören, denn es war für mich nicht nur eine besonderer Erfahrung, es ist auch wert, davon zu erzählen: ich war eine Zeitlang bei den Benediktinerinnen in Köln.
Die uralte benediktinisiche Regel, jede und jeden aufzunehmen, der nach Gott fragt und Gastfreundschaft zu gewähren, habe auch ich in Anspruch nehmen dürfen. So zog ich in ein kleines Zimmer unterm Dach und lebte mit. Die Tage im Kloster sind geprägt von einem alten immer gleichen Rhythmus: Morgengebet, Messe, Mittagsgebet, Abendgebet, Nachtgebet – zwei bis drei Stunden sitzt man so tagtäglich psalmensingend und betend beieinander in der Kirche. Staunenswerterweise passt enorm viel von dem, was wir „Arbeit“ oder „Job“ nennen, darum und dazwischen.
Ganz besonders tief beeindruckt hat mich die Praxis des Vaterunsers.
In der Regel beginnt die Priorin – und spricht die erste Zeile laut, während sie sich wie alle Schwestern nach vorn beugt. Es folgt als stilles Gebet und in dieser demütigen Haltung, dass wir seinen Namen heiligen und seinen Willen respektieren wollen, dass wir um Brot und Vergebung bitten. Dann richten sich alle auf und machen ihren Rücken gerade, während die Priorin laut spricht: „und führe uns nicht in Versuchung“.
Es ist eine unausgesprochene Aufforderung zu Geradlinigkeit und wie eine körperliche Erinnerung an unsere Widerstandsfähigkeit. Gerade und in diesem Moment - mit freiem statt gesenkten Blick- spürt man, das wir selbst dank Gott etwas tun können, damit unserer Welt nicht in Krieg und Leid in Not und Lüge versinkt.
Erst dann beten alle laut: „Sondern erlöse und von dem Bösen.“
Es ist an solchen einem Ort des Schweigens ungeheuer anrührend ausgerechnet diese Bitte laut werden zu lassen. Die liturgische Form erzeugt dabei eine unmittelbare Eindringlichkeit, die im monotonen Gemurmel manches anderen Gottesdienstes unterzugehen droht.
Es macht aus dem liturgischen Gebetstext ein politisches Bekenntnis.
Wir wissen, was gut und böse ist. Wir spüren sehr genau, was gerecht und ungerecht ist, was dem Frieden dient oder Feindschaft schürt.
Die Benediktinerinnen gönnen sich danach nicht immer das erleichternde „ denn dein ist…“.
Allermeist beugen sie sich nach dieser Zeile wieder und stimmen in das „Ehr sein dem Vater ein.“
Aus diesem Wechsel der Körperhaltung, dem Wechsel von Stille und Stimme, erwächst ein Kraftmoment. Es hilft uns durch – gerade dann wenn wir so erbarmungsbedürftig sind.

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  Es gibt keine gelungene Niederlage...

Es gibt keine gelungene Niederlage...

Cornelia Götz, Dompredigerin - 10.05.2022

Dieser Tage jährte sich das Ende des 2. Weltkrieges. Das Datum firmiert unter „bedingungslose Kapitulation“ oder „Tag der Befreiung“, „Sieg über Nazideutschland“ – je nachdem aus welcher Perspektive man das Kriegsende betrachtet.
77 Jahre später steht Russland im Krieg gegen die Ukraine und wir diskutieren, dass Russland auf keinen Fall siegen darf, fragen uns wie ein Ende dieses Konfliktes überhaupt aussehen kann, was es uns kosten wird.
„Nie wieder Krieg…“ Das klingt wie Ruf aus ferner Zeit.
Nie wieder. War das je möglich?
Auf meinem Schreibtisch liegt eine kleine Broschüre von Fulbert Steffensky. „Mut zur Endlichkeit“ heißt sie und ist noch dort aufgeschlagen, wo ich im Februar mit Lesen aufgehört habe.
Er schreibt da: „In einer Welt der Sieger kann es keine gelungenen Niederlagen geben.“
Kein Zweifel: in dieser Welt leben wir.
Es ist der letzte Satz eines Kapitels, in dem Fulbert Steffensky an Christa Wolfs Trojabuch „Kassandra“ anknüpft. „Wenn Ihr aufhören könnt zu siegen, wird diese eure Stadt bestehen bleiben“ sagt die Seherin. Und setzt hinzu: „Ich weiß von keinem Sieger, der es konnte.“
Selbst aufhören obwohl mehr ginge?
Nur nehmen was man braucht?
Genua hinsehen, wo welcher Krieg auf wessen Kosten stattfindet?
Das Siegen-müssen hat viele Facetten.
Es treibt uns vor sich her als Wachstumslogik und koloniales Denken, es macht aus uns nimmersatte Ressourcenverschlinger und Abhängige, solche, die menschliches Maß verloren haben, nicht mehr von sich selbst absehen können – von der Klugheit, zu bedenken, dass wir endlich sind, Grenzen haben und sterben müssen, ganz zu schweigen.
Das springt mich an.
Und fast hätte ich überlesen, dass Kassandra, die doch eigentlich nichts Gutes kommen sah, hoffte, „dass es in Zukunft Menschen geben würde, die ihren Sieg in Leben umzuwandeln wissen.“
Einen gab es. Die Logik der Sieger war nicht seine.
Im Gegenteil, er rief die in seine Nähe, die nicht gewinnen können.
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ sagte er.
Wir glauben, seine Wege werden es sein, die zum Frieden führen, seine Wahrheit ereignet sich nicht in Kategorien von Kapitulation, Sieg und Niederlage, sein Tod erzählt vom Leben.


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  Königlich!

Königlich!

Heiko Frubrich, Prädikant - 09.05.2022

Der Mensch ist die Krone der Schöpfung! Dieser Satz ist immer wieder mal innerhalb und außerhalb unserer Kirche zu hören und meist zucke ich zusammen, wenn ich ihn höre und denke: Naja, ne Nummer kleiner hätte es auch getan. Doch die Basis für diese Aussage liefert tatsächlich die Bibel. Denn nachdem Gott die Erde und alles, was darauf zu finden ist, geschaffen hat, übergibt er es in die Hände der Menschen.
Wir sollen herrschen über all das und wir sollen es uns untertan machen. Das sind in der Tat königliche Attribute. Das ist so viel mehr, als hätten wir von Gott lediglich die Erlaubnis erhalten, ein paar Fische zum Lebensunterhalt zu angeln und ein wenig Getreide zu Mehl zu verarbeiten. Nein, wir sollen, einem König gleich, Herrscher über all das sein. Das ist ebenso großartig wie revolutionär.
Schauen wir uns die Tragweite dessen, was Gott hier tut, genauer an. Er ist derjenige und er ist der einzige, der in der Lage ist, die Welt, das Leben und eben auch uns zu erschaffen. Doch er behält es nicht für sich, sondern er gibt es in unsere Hände – seine gesamte Schöpfung und eben auch uns selbst und unser Leben. Damit macht er uns sozusagen zu seinen Geschäftsführern, etwas pathetischer ausgedrückt, zu seinen Stellvertretern. Denn wir sind diejenigen, die ganz maßgeblich über das Wohl und Wehe seiner gesamten Schöpfung entscheiden – von allem Anfang an und von Gott so gewollt.
Doch damit nicht genug: Gott stattet uns Menschen nicht nur mit königlichen Insignien aus. Er verleiht uns damit ganz nebenbei auch die Würde, die einer solchen Position angemessen ist. Die Würde eines jeden Menschen, auch Ihre und Eure und meine, ist von königlicher Güte. Mehr geht nicht. Und wenn selbst Gott uns Menschen mit einer derartigen Wertschätzung und im Wortsinne Hochachtung begegnet, wie viel mehr sind wir untereinander und uns gegenseitig zu solcher Wertschätzung verpflichtet!
Und daraus abgeleitet: Wer die Würde eines Menschen missachtet oder verletzt, der setzt sich dadurch in einen grundlegen Widerspruch zum Willen Gottes. Die Würde eines Menschen ist immer höher zu gewichten, als irgendwelche persönlichen Interessen, denn sie ist uns von höchster Stelle verleihen – ganz unmittelbar aus Gottes Hand.
Der Mensch, die Krone der Schöpfung. Dass wir uns nicht immer unseres royalen Status angemessen verhalten, ist leider auch eine nicht wegzudiskutierende Wahrheit. Doch trotz allen Fehlverhaltens unsererseits hält Gott uns die Treue und hat dies in Jesus Christus strahlend bewiesen. In ihm lebt er uns vor, wie auch unser Leben gelingen kann. In ihm vergibt er uns alle Sünden, nimmt sie selbst auf sich und mit ans Kreuz. Und in seiner Auferstehung schenkt er uns den Sieg über den Tod und eröffnet uns eine Perspektive, die weit über unser irdischen Leben hinausweist.
Das sind wahrhaft königliche Aussichten, die er verschenkt - aus reiner Liebe zu uns. Was für ein Grund zur Freude, zur Dankbarkeit! Amen.

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  Richtungssuche

Richtungssuche

Heiko Frubrich, Prädikant - 07.05.2022

Morgen jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 77. Mal. Es wird kein friedlicher Jahrestag sein, denn es gibt Krieg in Europa. Und die Welt schaut gebannt nach Moskau in Erwartung der Rede des russischen Präsidenten am 9. Mai. Von der wird erwartet, dass sie anlässlich des Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland Aufschluss über Russlands weitere Kriegspläne geben wird. Dass diese Rede Hoffnung und Zuversicht auslöst, ist nicht wirklich zu erwarten; eher im Gegenteil.
Unser Land unterstützt die Ukraine und die Menschen, die dort leben oder von dort geflohen sind. Humanitäre Hilfe wird uneingeschränkt begrüßt, militärische jedoch zum Teil heftig und kontrovers diskutiert. Die Politik ist gezwungen, sich im Spannungsfeld zwischen Waffenlieferungen einerseits und der Gefahr einer dadurch drohenden, weiteren Eskalation zu bewegen. Ganz egal, wie die Entscheidungen ausfallen, sie bewirken in jedem Fall, dass Menschen sterben. Und wir alle werden erst im Nachhinein bewerten können, wie richtig oder wie falsch, wie besonnen oder wie leichtsinnig, wie hilfreich oder wie fatal die getroffenen Entscheidungen waren.
Auch in unserer Kirche wird diskutiert, und das ist auch gut so! Christenmenschen stehen immer mitten im Leben und es ist Aufgabe von Kirche, sich zu aktuellen Fragen zu positionieren und einen christlichen Standpunkt zu formulieren. Doch in der Frage nach dem richtigen Weg bezüglich der Unterstützung der Ukraine ist das leichter gesagt als getan.
Darf man mit Jesu Friedensbotschaft im Rücken Waffenlieferungen gutheißen? Kann man befürworten, dass Kriegsgerät, dessen einziger Zweck die Zerstörung ist – auch die Zerstörung von Menschenleben – zur Verfügung gestellt wird? „Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen“, mahnt uns Jesus höchstpersönlich. Aber zielt dieses Wort auch auf Situationen, in denen man sich nur verteidigt?
Gott steht auf der Seite der Schwachen und Bedrängten. Immer wieder und an so vielen Stellen der Bibel wird das deutlich. Ist es somit vielleicht sogar seine Erwartungshaltung an uns, dass wir die Menschen in der Ukraine unterstützen, dass wir ihr helfen, ihr Leben und ihre Freiheit zu verteidigen?
Es ist unendlich schwer, Antworten zu finden, gerade weil wir ahnen, welche schweren und nachhaltigen Konsequenzen sie haben. Gut ist, dass Kirche Raum bietet, all das zu diskutieren, dass sie Raum bietet für gegensätzliche Positionen, dass sie Raum bietet, auch für unsere Ratlosigkeit. Gut ist, dass wir uns mit unseren Zweifeln und unseren unsortierten Gedanken an Gott wenden können. Und wichtig ist, dass wir für all jene beten, die trotz ihrer eigenen Unsicherheiten, nicht nur Antworten finden, sondern auch Entscheidungen treffen müssen.
Es bleibt zu hoffen, dass Gott allen Entscheidungsträgern – in Berlin, in Kiew und eben auch in Moskau – ein guter Ratgeber ist und ihnen den rechten Weg weist – den, der zum Frieden führt. Amen.

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  All Morgen ist ganz frisch und neu

All Morgen ist ganz frisch und neu

Heiko Frubrich, Prädikant - 06.05.2022

Wer, so wie ich, zu den Frühaufstehern gehört, wird in diesen Tagen gleich nach dem Aufstehen mit einem wunderbaren Schauspiel belohnt: Sonnenaufgang am wolkenlosen Himmel, glitzernde Tautropfen auf den Wiesen, dünne Nebelschwaden über den Feldern, und Vogelgezwitscher in frischer, kühler Morgenluft. Das hat schon was! Ich gebe zu, wenn dann eine Amsel direkt vor dem Schlafzimmerfenster schon um 4:00 Uhr meint, gute Laune verbreiten zu müssen, würde ich ihr gerne sagen: „Leg dich doch nochmal hin!“; alles in allem ist die Morgenstimmung aber tatsächlich und im Wortsinne wunderbar.
Das aufgehende Licht verändert die Welt. Aus den Grautönen der Nacht werden kräftige Farben und die Helligkeit bringt spürbar angenehme Wärme mit sich. Es scheint so, als würde an jedem Morgen die Welt um uns herum neu geschaffen.
Der Liedtexter und Reformator Johannes Zwick dichtete vor über 400 Jahren: „All Morgen ist ganz frisch und neu.“ Das fasst treffend zusammen, was ich Ihnen zu beschreiben versucht habe – den frischen und neuen Charakter eines jeden Tages.
Doch es gibt noch einen weiteren Aspekt, der nicht nur für einen sonnigen Frühlingsmorgen gilt. Wir Menschen sind so konstruiert, dass uns ganz zwangsläufig und immer wieder Fehler unterlaufen. Wir irren uns, wir vergessen, wir scheitern, wir fügen anderen Menschen und Gottes Schöpfung Verletzungen zu – ohne es zu wollen, doch durchaus auch mit Vorsatz. Und das, was wir gedacht, gesagt oder getan haben, lässt sich in aller Regel nicht mehr ungeschehen machen.
Das ist der Grund, warum wir Vergebung brauchen. Die Einsicht in unsere Fehler ist das eine. Doch sie nimmt uns meist die Last nicht von den Schultern – eher im Gegenteil. Wirkliche Entlastung erfahren wir erst dann, wenn uns unser Gegenüber sagt: „Ich verzeihe Dir.“
Auch in unserem Verhältnis zu Gott können wir Schuld auf uns laden: durch Ignoranz, durch Selbstherrlichkeit und mangelnde Demut, durch die Missachtung seiner Erwartungshaltung, die er an uns hat. Gott weiß das. Doch trotz aller Enttäuschungen, die wir ihm Tag für Tag verlässlich bescheren, ist seine Vergebungsbereitschaft ungebrochen und unerschöpflich. Gott hat uns in Jesus Christus vergeben, wie es Paulus sagt, und er vergibt uns immer wieder aufs Neue.
Unser Gott ist der Gott der neuen Chancen. Wir dürfen heute versuchen, es besser zu machen als gestern, und wir werden morgen die Gelegenheit bekommen, unsere heutigen Fehler nicht zu wiederholen.
All Morgen ist ganz frisch und neu, bezieht sich so auch auf unser Leben. Wenn wir Gott um Verzeihung bitten, können wir unbeschwert in den neuen Tag starten, ihn genießen und erneut versuchen, das Beste daraus zu machen in dem wir unser Bestes geben. Was für ein großes Geschenk! Amen.

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  Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.

Cornelia Götz, Dompredigerin - 05.05.2022

Im Matthäusevangelium wird erzählt, dass ein Hauptmann aus Kapernaum, ein Soldat also, zu Jesus Christus sagte:
„Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“
„Ich bin es nicht wert.“ Wie schwer mag einem Menschen das über die Lippen kommen. Wie verzweifelt über das, was einem da auf der Seele liegt, welche inneren Bilder Erinnerung prägen.
Was für ein Wort könnte es sein, das die Seele eines Menschen heilen hilft, der in den Krieg geschickt wird oder der im Krieg gewesen ist und nun nicht mehr ruhig schlafen kann?
Und nicht nur Soldaten wissen, dass man im Leben an die Stelle kommen kann, in der man nicht mehr weiß, ob man sich wagen würde, Jesus Gastfreundschaft anzubieten. Und sind wir erst einmal bei diesem Gedanken angekommen, dann ahnen wir: wer könnte ruhigen Gewissens sagen: ich bin es wert.
Was für ein Wort könnte dann helfen, um Seelenfrieden zu finden?
Vielleicht: „Lass dir an meiner Gnade genügen…“ oder „all eure Sorge werft auf ihn“? Oder hilft uns – gerade jetzt – eher: „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen sondern das Schwert“. Womöglich geht ja nur noch „Fürchtet euch nicht!“ und „Friede auf Erden bei den Menschen meines Wohlgefallens… -“
Sprich nur ein Wort!!! Bitte. Dann wird meine Seele gesund.
Es klingt tiefes Vertrauen in die Wirksamkeit des Wortes Gottes durch diese Bitte. Aber auch das verzweifelte Suchen: Welches Wort schafft Klarheit und Befriedung, taugt zum Geländer in Zeiten, in denen man droht verloren zu gehen oder die ganze Welt gefährdet ist?
Ich habe im März einige Zeit bei den Benediktinerinnen in Köln verbracht. Jeden Morgen baten sie: „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ Und ich habe mitgebeten und gemerkt: ganz egal welches Wort es ist. Wenn wir Gott zutrauen, dass er zu uns spricht, dann werden wir heil in der Seele und erleben: er ist längst in unser Haus gekommen.

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  Zum Florianstag

Zum Florianstag

Henning Böger, Pfarrer - 04.05.2022

Davyon ist erst elf Jahre alt, aber er ist jetzt schon ein Held. Zwei Menschen hat der Junge aus dem US-Bundesstaat Oklahoma, das Leben gerettet - und das an einem einzigen Tag.
Am Morgen in der Schule sieht Davyon zunächst einen Mitschüler, der aus Versehen den kleinen Deckel seiner Wasserflasche verschluckt hat. Nun bekommt er keine Luft mehr und gerät in Panik. Davyon erlöst den Keuchenden. Mit einem beherzten Griff drückt er den Fremdkörper aus dessen Atemwegen heraus. Einmal Held!
Abends dann ist Davyon mit seiner Mutter unterwegs, als er Rauch in einem Haus bemerkt. Er geht sofort näher heran und schlägt Alarm. Fünf Menschen können sich selber aus dem brennenden Haus retten. Nur eine alte Dame, das sieht Davyon, ist wegen ihrer Gehilfe nicht schnell genug. Ihr hilft der Junge aus dem Treppenhaus. Ein zweites Mal Held! Die Feuerwehrleute staunen nicht schlecht. Ein paar Tage später machen sie den mutigen Jungen sogar zum Ehrenmitglied.

Zum Helden kann man sich nicht selber machen. Davyon ist einfach aufmerksam und achtet auf andere. Außerdem wolle er später Rettungssanitäter werden, wie er hinterher einer Zeitung erzählt. Und dann sagt er etwas Beeindruckendes: „Ich will nicht, dass ich so viel Aufmerksamkeit bekomme. Ich habe nur getan, was ich tun musste.“
Das ist ein wirklich heldenhafter Satz, finde ich. Ich musste dabei an die vielen Kinder und Jugendlichen denken, die in den Freiwilligen Feuerwehren unserer Stadt zunächst spielerisch und dann immer professioneller an das Handwerk von freiwilligen Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner herangeführt werden. Um dann das tun zu können, was getan werden muss, wenn der Alarm zum Einsatz ruft: hingehen und hinausfahren, dorthin, wo andere lieber weglaufen. Um dann im eingespielten Team denen beizustehen, die in Not geraten sind.
Heute ist Florianstag. Als Gedenktag im ökumenischen Festkalender lädt er ein zum Dank an alle Menschen, die sich in Feuerwehren und Rettungs-diensten ehrenamtlich und beruflich engagieren. Die oft wie Davyon nach einem Einsatz sagen: „Ich habe nur getan, was ich tun musste. Nicht mehr.“ Ja, sicher, aber auch nicht weniger. Danke dafür!

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  Eid al-Fitr – Fest des Fastenbrechens

Eid al-Fitr – Fest des Fastenbrechens

Heiko Frubrich, Prädikant - 02.05.2022

Heute begehen Musliminnen und Muslime den ersten Festtag des Fastenbrechens. Es ist für sie ein hoher religiöser Feiertag. Dem vorangegangen ist der Fastenmonat Ramadan, der in diesem Jahr vom 2. April bis zum gestrigen 1. Mai andauerte. Der Ramadan und somit auch das Fest des Fastenbrechens haben keinen festen Termin im Jahreskalender, da sie sich am Mondkalender orientieren. Und der hat keine 365 Tage pro Jahr, sondern nur 354. Dadurch rutscht das Fest von Jahr zu Jahr immer ein wenig weiter nach vorne und wird in 2023 schon am 22. April beginnen.
Wir finden hier Parallelen zu unserem Osterfest, denn auch das kein festes Datum. Ostern feiern wir immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond.
Weit verbreitet für die dreitägige Feier des Fastenbrechens ist auch der Name „Zuckerfest“. Er rührt daher, dass insbesondere Kinder zum Fest sehr viele Süßigkeiten geschenkt bekommen. Die Musliminnen und Muslime feiern das Fastenbrechen mit Gottesdiensten, großen gemeinsamen Mahlzeiten in ihren Familien und fröhlichen Feiern im Freundes- und Bekanntenkreis.
Auch im christlichen Jahreskalender gibt es Fastenzeiten. Wir haben zwei. Da ist zum einen die Passionszeit vor Ostern, die vom Aschermittwoch bis zum Karsamstag dauert. Auch sie endet mit einer Art Fastenbrechen. Das Osterfrühstück fällt auch bei uns besonders opulent aus und viele Kirchengemeinden laden nach dem ersten Ostergottesdienst zum gemeinsamen Frühstück ein.
Die zweite Fastenzeit ist der Advent. Das zu bemerken, bedarf allerdings schon einer sehr feinen Wahrnehmung. Denn gerade in der Adventszeit werden in unseren Breiten so viele Feiern abgehalten, wie zu keiner anderen Zeit im Jahr. Da trifft man sich mit Arbeitskollegen, im Sportverein oder mit dem Chor und oft biegen sich die Tische vor Spekulatius, Gänsekeulen und Grünkohlarrangements. Mit Fasten hat das in aller Regel meist wenig zu tun.
Nichtsdestotrotz haben diese Fastenzeiten ihren Sinn und Zweck. Es geht darum, Raum zu haben, um sich auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Wir sollen uns in unserem Lebenswandel beschränken, ganz bewusst Verzicht üben, damit wir den Kopf freikriegen. Fastenzeiten sind auch Bußzeiten, wobei büßen dabei nicht bedeutet, dass man eine wie auch immer geartete Strafe auszuhalten hat, sondern dass man sich selbst und die Richtung des eigenen Lebensweges kritisch hinterfragt und erforderlichenfalls Korrekturen veranlasst.
Wer von Ihnen schon einmal gefastet hat, wird bestätigen, dass da nicht nur etwas im Bauch passiert, sondern auch im Kopf. Und das funktioniert im Übrigen vollkommen unabhängig von der eigenen Konfession. Und so sind religiöse Fastenzeiten auch immer dazu eingerichtet, über unsere ganz persönliche Beziehung zu unserem Glauben und zu Gott nachzudenken. Und als Belohnung darf dann hinterher gefeiert werden: Weihnachten, Ostern oder eben auch das Fastenbrechen nach dem Ramadan.
Wir wünschen unseren muslimischen Mitmenschen ein gesegnetes Fastenbrechen. Ach und übrigens: Der Gott, der dieses Fest segnen möge, er ist derselbe von dem auch wir gesegnet sind. Amen.

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  Du bist mein!

Du bist mein!

Heiko Frubrich, Prädikant - 30.04.2022

Ich habe ein unglaublich schlechtes Namensgedächtnis. Wenn ich Menschen noch nicht lange kenne, stehe ich oftmals auf dem Schlauch. Ich kann mich zwar meist gut daran erinnern, wo wir einander kennengelernt haben, doch bis der Name präsent ist, das kann mitunter wirklich dauern. Mit dieser Schwäche habe ich mich schon in so manchen peinlichen Moment manövriert, aber ich kann wirklich nichts dafür. Eselsbrücken oder feiner ausgedrückt: Assoziationshilfen machen es etwas leichter, doch es kommt immer mal wieder vor, dass mir der Name meines Gegenübers einfach nicht einfällt
Jemanden mit Namen anzusprechen, drückt etwas aus. Es heißt: Ich kenne Dich und Du bist mir nicht egal. Das ist im menschlichen Miteinander schon eine ganze Menge, wie ich finde. Natürlich bedeutet es nicht, dass alle, die sich mit Namen ansprechen, automatisch auch beste Freunde sind. Wir nennen Herrn Putin auch weiterhin Herrn Putin, obwohl sich unsere Sympathie für ihn wohl in engen Grenzen halten dürfte.
Allerdings nicht nur zwischenmenschlich spielt der Name eine große Rolle, sondern auch in unserer Beziehung zu Gott. Über dem heutigen Tag heißt es: „Der Herr sprach zu Mose: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.“ Die Bibel beschreibt hier gleich eine doppelte Auszeichnung: Mose hat Gnade gefunden und Gott weiß, dass er Mose heißt. Doch wir müssen gar nicht neidisch auf ihn sein, denn uns allen wird durch den Propheten Jesaja in göttlichem Auftrag dasselbe zugesprochen: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“
Dieses Wort ist für mich wie eine große Liebeserklärung. Gott spricht uns ganz direkt an. Er sagt eben nicht, dass er die Menschheit insgesamt als eine große und anonyme Gruppe erlöst hat. Nein, er richtet sein Wort ganz direkt an jede und jeden von uns. Ich habe dich erlöst, sagt er. Und er kennt uns – Sie und Sie und mich. „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen.“ Hier wird deutlich, dass unsere Beziehung zu Gott eine höchstpersönliche, ja man kann schon sagen, eine geradezu intime ist. Gott spricht uns mit Namen an und er duzt uns sogar. Das drückt ganz viel Nähe aus und eine große Vertrautheit.
Fürchte dich nicht, Katja, fürchte dich nicht, Jens; denken Sie diesen Satz mit Ihrem Vornamen und Sie werden merken, wie gut sich das anfühlt – und wie liebevoll. Gottes ganzes Wesen kommt in diesen Worten zum Ausdruck: sein Interesse an jedem einzelnen Menschen, sein Versprechen, sich von niemandem abzuwenden, seine Bestätigung, dass er uns kennt und dass er eine enge Beziehung zu uns will. „Du bist mein!“, sagt er.
Mit diesem Gefühl der Geborgenheit kommen wir deutlich besser durch die dunklen Täler, die wir auf unseren Lebenswegen immer wieder passieren müssen. Denn wir dürfen wissen, dass wir Gott an unserer Seite haben, der uns kennt und der uns liebt. Amen.

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  Seid untereinander freundlich!

Seid untereinander freundlich!

Heiko Frubrich, Prädikant - 29.04.2022

Nun dauert der Krieg in der Ukraine schon über zwei Monate und ein baldiges Ende scheint nicht in Sicht zu sein. Immer mehr Militärexperten sagen, Putin hätte sich massiv verkalkuliert, was Russlands Erfolgsaussichten in dieser Auseinandersetzung angeht. Fakt ist, dass sich die Zahl der getöteten Soldaten und Zivilisten mittlerweile in Tausenden zählen lässt, dass die Grausamkeiten, von denen berichtet wird, beinahe täglich auf Neue unsere Vorstellungskraft überschreiten und dass sich die von Lügen getragene Kriegsrhetorik in immer wüstere Erklärungs- und Rechtfertigungstheorien versteigt.
Wir alle hoffen und beten, dass der Krieg und das sinnlose Sterben bald ein Ende haben mögen und die so geschundene und in vielen Bereichen zerstörte Ukraine wieder zur Ruhe kommen und in eine friedliche Zukunft aufbrechen kann. Aber wie?
Es wird eine international zu bewältigende Aufgabe sein, den Wiederaufbau zu schultern. Es ist und bleibt eine Verpflichtung der Staatengemeinschaft auch im humanitären Bereich zu helfen. Doch diese Hilfe hat ihre Grenzen. Natürlich kann und wird man Lebensmittel liefern, Infrastruktur wiederherstellen, das Gesundheits- und Bildungssystem unterstützen. Doch all das wird die Lücken nicht schließen, die der Krieg in den Familien gerissen hat.
Menschen sind umgekommen. Sie hinterlassen schmerzhafte Leerstellen im Leben anderer. Der Verlust stürzt die ihnen nahestanden in Trauer, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Der Krieg hat Hass wachsen lassen – auf ukrainischer Seite durch den russischen Überfall und auf russischer Seite durch staatlicherseits initiierte Propaganda. All das wird mit dem Tag des Kriegsendes nicht vorbeisein.
Russland hat den Krieg begonnen und sich dadurch international erheblich isoliert. Die Frage wird zu klären sein, wie man denn mit einem Nachkriegs-Russland umgehen wird. So zu tun, als sei nichts gewesen, ist ganz sicher keine Option.
Über dem heutigen Tag heiß es: „Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ Dieser Satz des Apostels Paulus kommt so kuschelig und harmlos um die Ecke, doch er beschreibt eine der größten Herausforderungen, vor denen Menschen stehen können. Denn Paulus formuliert diese Aufforderung absolut. Er sagt nicht: „Seid zu denen nett, die auch zu Euch nett sind und die Ihr gut leiden könnt.“ Nein, in Paulus‘ Aussage schwingt mit, was Jesus uns in die Bücher geschrieben hat: „Liebt eure Feinde.“
Es wird viel Zeit brauchen, bis die Wunden, die dieser Krieg gerissen hat und auch jetzt immer weiter reißt, auch nur ansatzweise verheilt sind. Doch Voraussetzung dafür ist, dass die Verantwortlichen so zueinanderfinden, dass dieser Krieg überhaupt erst einmal enden kann. Wir wollen dafür beten, dass Gott ihnen den Willen zum Frieden und die Kraft zur Umkehr gibt – jedem so viel wie er braucht. Amen.

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  Schwerter zu Pflugscharen

Schwerter zu Pflugscharen

Heiko Frubrich, Prädikant - 27.04.2022

Die bedeutendsten christlichen Feste im Jahr sind unbestrittenermaßen Weihnachten und Ostern. Ihrem Duktus nach aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung unterscheiden sie sich sehr deutlich voneinander. Insbesondere was die Kommerzialisierung angeht, liegt Weihnachten seit Jahrzehnten uneinholbar vorn. Was beide Feste aber verbindet, ist die mit ihnen einhergehende Schokoladenschwemme. In Form von Weihnachtsmännern und Osterhasen, mit allem Möglichen gefüllten Kugeln und Eier kommt sie daher und füllt unsere heimischen Küchen- und Wohnzimmerschränke mit einer fast übermächtigen Zwangsläufigkeit.
Die sich daran anschließende Problematik lässt sich, wie folgt, zusammenfassen: Wenn das Zeug erst einmal da ist, wird es auch gegessen.
Themenwechsel: Das Internationale Friedensforschungsinstitut Sipri hat am Montag Zahlen veröffentlicht, aus denen hervorgeht, wie viel Geld im vergangenen Jahr weltweit für Rüstung ausgegeben wurde. Es waren 2,1 Billionen Dollar. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kann mit dieser Zahl wenig anfangen. Daher zur besseren Einordnung: Würde man diese 2,1 Billionen Dollar unter der gesamten Weltbevölkerung gleichmäßig verteilen, dann bekäme jeder Erdenbürger, vom Säugling bis zum Greis, rund 260,00 Dollar – jeder Erdenbürger und das allein aus dem im vergangenen Jahr für Rüstung ausgegeben Geld.
Die Vereinten Nationen haben jüngst errechnet, dass man mit etwa 14 Milliarden Dollar pro Jahr den Hunger in der Welt wirksam beseitigen könnte. Danach würden die Rüstungsausgaben des vergangenen Jahres ausreichen, um für 150 Jahre dafür zu sorgen, dass niemand auf dieser Welt mehr verhungern müsste – für 150 Jahre!
Das waren, wie gesagt, Zahlen aus dem vergangenen Jahr. In diesem Jahr dürften sie angesichts des Krieges in der Ukraine noch um einiges höher ausfallen. Doch es ist ja nicht nur, dass die unvorstellbar hohen Summen für Sinnvolles nicht zur Verfügung stehen. Es ist dann ja eben auch so, wie mit der Schokolade in unseren Schränken: Wenn das Zeug erst einmal da ist, wartet es darauf, verwendet zu werden.
Ich weiß, dass ich mir durch die folgende Ableitung den Vorwurf der Naivität zuziehe. Aber es bleibt dennoch richtig: Ohne Waffen würde es keine Kriege geben. Doch es gibt sie und die Folgen sehen wir vor unserer europäischen Haustür. Ich gebe unumwunden zu, dass ich froh bin, nicht entscheiden zu müssen, wer nun welche Art von Waffen an die Ukraine liefert. Diese Entscheidungen müssen zwangsläufig aus einem Dilemma heraus getroffen werden. Denn egal wie die Entscheidungen ausfallen: Sie führen dazu, dass Menschen sterben. Und welcher Weg nun der richtigere war oder besser gesagt, der weniger furchtbare, werden wir in jedem Fall erst im Nachhinein wissen.
Doch trotz alledem will ich glauben, dass die Vision des Propheten Micha möglich ist, der da schreibt: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“
Es klingt so einfach und wäre doch so wunderbar. Und so sollten wir nicht müde werden, dafür zu beten. Amen.

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  Vielfalt bereichert

Vielfalt bereichert

Heiko Frubrich, Prädikant - 25.04.2022

Als ich zur Grundschule ging – lang, lang ist’s her – war die Mengenlehre gerade sehr en vogue. Wir lernten viel über leere Mengen, Schnittmengen, Vereinigungsmengen und hatten ganz viele blaue und rote Plastikplättchen, mit denen wir uns die Regeln, Aufgaben und Lösungen veranschaulichen konnten. Immer wieder gab es im Kreise der Pädagogen wilde Diskussionen über den Sinn und Unsinn von Mengenlehre im Grundschullehrplan und in den 80er-Jahren verschwand das Thema dann aus dem Unterricht.
Dem menschlichen Denken ist die Mengenlehre allerdings grundsätzlich eher vertraut als fremd. Wir kategorisieren und sortieren gern alles Mögliche und schaffen uns auf diese Weise Ordnungssysteme. Da gibt es dann die Menge der Speisen, die ich mag, die Menge der Musik, die ich nicht mag, da gibt es die Menschen, die mir sympathisch sind und das ganze eben auch umgekehrt.
Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden, denn Kategorien wie „gefährlich versus harmlos“, „lecker versus ekelig“ oder „ist ein lieber Kerl versus hier ist Vorsicht geboten“ machen uns das Leben grundsätzlich leichter.
Kritisch wird es aber immer dann, wenn es, wie im letzten Beispiel, um Menschen geht. Wenn ich Jahre meines Lebens der irrigen Meinung war, dass ich keine Avocado-Creme mag und dann irgendwann feststelle, dass sie doch gut schmeckt, dann ist der Schaden, den ich mit meinem Irrtum angerichtet habe, überschaubar. Wenn ich aber Menschen ausgegrenzt habe, weil sie irgendeinem von mir festgelegten Kriterium nicht entsprechen, dann ist das zumindest bedenklich.
Solche Kriterien oder Ideale werden oft stillschweigend innerhalb einer Gesellschaft festgelegt. „Höher – Schneller – Weiter“ ist zum Beispiel solch ein Grundkonsens, dem sich viele mehr oder weniger freiwillig verpflichtet fühlen. Und wer ihm nicht genügt, wer nur schlecht mithalten kann bei eben jenem „Höher – Schneller – Weiter“, der wird flugs ausgegrenzt und abgeschrieben und gehört eben nicht dazu.
Dass die so Ausgeschlossenen dafür in anderen Bereichen ihre Stärken haben, spielt keine Rolle, denn es geht im genannten Beispiel in erster Linie um besagtes „Höher – Schneller – Weiter“. Besonders intelligent ist diese Haltung nicht, weil sie unser Leben auf einen vermeintlich wichtigen Teilaspekt verengt und wir dadurch zwangsläufig und manchmal auch zwangsweise auf viel Schönes, Beachtenswertes und Wertvolles verzichten.
Gestern haben wir hier im Dom einen Gottesdienst gefeiert, in dem viele Menschen mit ganz besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften mitgewirkt haben. Ich meine die Bürgerinnen und Bürger aus Neuerkerode. Traditionell am Sonntag nach Ostern feiern wir hier inklusiv, fröhlich und vielfältig. Und die Menschen aus Neuerkerode bringen das mit ein, was sie wirklich auszeichnet: ihr Musikalität, ihre Lebensfreude, ihre Herzlichkeit, ihren Humor, ihre Liebenswürdigkeit.
Alle, die mit uns gefeiert haben, konnten feststellen, dass unser Zusammensein reicher und bunter war als sonst. Ich bin sehr dankbar dafür, dass diese wunderbaren Menschen zu uns in den Dom gekommen sind und wir uns und auch Gott mit einem Gottesdienst beschenken konnten, der lange in Erinnerung bleiben wird.
Die Erinnerung an unsere Taufe war das zentrale Thema. Durch unsere Taufe sind wir alle hineingenommen in die Heilige Familie und sind so Gottes Kinder geworden – von ihm geliebt, angenommen und genauso gewollt, wie wir sind. Und nur das zählt. Amen.

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  Glauben finden helfen

Glauben finden helfen

Heiko Frubrich, Prädikant - 22.04.2022

Neuste Statistiken besagen, dass erstmalig weniger als 50r Deutschen Mitglied einer der beiden großen Kirchen sind. Dass das so kommen würde, war bereits über viele Jahre absehbar, dennoch ist das Unterschreiten der 50%-Marke für mich und viele andere, denen unsere Kirche am Herzen liegt, ein trauriger Moment. Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig und ja, sie haben auch damit zu tun, dass die Institution Kirche so ihre Macken hat und dass natürlich auch Fehler passiert sind und immer wieder passieren werden. Überall da, wo Menschen tätig sind, gehört das dazu.
Schwierig wird es immer dann, wenn Menschen, ganz egal wo, sich standhaft weigern, aus gemachten Fehlern zu lernen oder die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Auch sowas soll schon vorgekommen sein.
Mit der rückläufigen Mitgliederzahl werden nun auch wieder die Stimmen derer lauter, die fordern und konstatieren, das Thema Religion nun ein für alle Mal zur Privatsache zu erklären. Seinen Glauben zu leben und beispielsweise Gottesdienste zu feiern ist natürlich in Ordnung, aber bitteschön nicht so laut und nicht so prominent in der Öffentlichkeit.
Da wird es dann schwierig, wie ich finde. Wenn ich mal auf mein eigenes Leben schaue, dann stelle ich fest, dass ich meinen Weg zum Glauben nur finden konnte, weil Kirche auf sich aufmerksam gemacht hat. Ich habe mich tatsächlich am 3. Oktober 2005 von den Glocken in unseren Dom locken lassen, in dem nicht, wie ich annahm, ein Konzert zum Tag der Deutschen Einheit stattfand, sondern ein ganz normaler Gottesdienst. Und dieser Gottesdienst hat mich und mein Leben nachhaltig verändert.
Ich habe meinen Glauben und meine Beziehung zu Gott in eben diesem Gottesdienst wiederentdeckt. Und ich möchte auf dieses Geschenk nie wieder verzichten. Ich denke, dass Sie mir zustimmen können: Ein Leben im Glauben ist viel schöner und reicher als ein Leben ohne. Und so gehört es für mich zu den Kernaufgaben unserer Kirche, Menschen die Tür zu ihrem ganz persönlichen Glaubenserleben zu öffnen und offenzuhalten.
Kirche soll auf Jesus Christus aufmerksam machen, und wir als Christinnen und Christen sollen das auch. Ich gönne jedem Menschen diese wunderbare Erfahrung, die man machen kann, wenn man Gott einen Platz im eigenen Leben einräumt, wenn man sich auf ihn einlässt und das Geschenk seiner Liebe und seiner Barmherzigkeit aus seinen Händen annimmt.
Und das geht nun einmal nicht, wenn ich mit meinem Glauben nur im Privaten bleibe. Ich will davon erzählen, ich will ihn mit anderen Menschen teilen, ihn gemeinsam feiern, Zweifel diskutieren und aushalten und damit das nachhaltig klappt, auch an Veränderungsprozessen in meiner Kirche mittun.
Es ist meine feste Überzeugung, dass Menschen, die ohne Glauben leben, auf etwas Wunderbares und Wertvolles verzichten. Kirche ist das Instrument, das dabei hilft, das zu erkennen und zu ändern. Dazu brauchen wir sie, trotz ihrer matten Stellen auf dem Heiligenschein. Aber an denen können wir ja gemeinsam polieren. Dazu heiß es sehr passend über dem heutigen Tag: „Mach dich auf und handle! Und der Herr möge mit dir sein.“ Amen.

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  Wir wollen alle fröhlich sein

Wir wollen alle fröhlich sein

Heiko Frubrich, Prädikant - 21.04.2022

Wir wollen alle fröhlich sein, so beginnt ein munterer Osterchoral, ein echter Protestantenwalzer mit ¾-Takt und echtem Schunkelpotential. Es tut gut, ihn zu singen und wenn wir das hier im vollen Dom stehend zum Ausklang des Osternachtsgottesdienstes meist deutlich nach Mitternacht tun, dann verfliegt alle Müdigkeit. Sie wird verdrängt von spürbarer und vor allem hörbarer Osterfreude.
Ein wenig ausgebremst wird diese allerdings bei einem Blick in die Bibel. Das Osterevangelium, ich hatte es gestern schon gesagt, berichtet von verstörten und verängstigten Menschen, die schockiert vor Jesu leerem Grab stehen. Jesu Jünger haben sich irgendwohin verkrochen. Sie sind enttäuscht und frustriert und haben Angst, dass ihnen dasselbe Schicksal droht wie Jesus, wenn sie denn als seine Anhänger entdeckt werden.
Zwei von ihnen verlassen Jerusalem in Richtung Emmaus, um sich dort zu verstecken. Unterwegs treffen sie auf einen fremden Mann, der sich ihnen anschließt, sie fragt, warum sie so traurig sind und ihnen dann im Gespräch die Bibel auslegt. Weil es schon dunkel wird, als sie in Emmaus ankommen, laden sie den Fremden zu sich nach Hause ein, denn es war nicht ungefährlich, nachts alleine unterwegs zu sein.
Und erst beim gemeinsamen Essen, als der Fremde das Brot bricht, erkennen die beiden, dass es der auferstandene Jesus Christus ist, der sich ihnen angeschlossen hat.
Etwas ähnlich Merkwürdiges erlebt Maria Magdalena. Sie war an Jesu leerem Grab, ist, wie schon gesagt, vollkommen schockiert und trifft auf ihrem Heimweg in einem Garten auf einen Mann, den sie für den Gärtner hält. Auch sie erkennt Jesus zunächst nicht. Erst als er sie mit ihrem Namen anspricht, bemerkt sie, dass es der Auferstandene ist.
Bemerkenswert, oder? Man sollte doch erwarten, dass sie alle in dem Moment, in dem sie Jesus begegnen, sofort und nachhaltig in lauten Jubel ausbrechen. Sie waren alle dabei, haben von ihm höchstpersönlich erklärt bekommen, was passieren wird. Er hat ihnen allen gesagt, dass er sterben und nach drei Tagen wieder auferstehen wird. Und nun ist es passiert – Gott sei Dank! – und seinen engsten Vertrauten sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht und stehen mal wieder gehörig auf dem Schlauch.
Wobei man ihnen das eigentlich nicht verdenken kann. Denn Jesu Tod und Auferstehung, sein endgültiger Sieg über den Tod, der uns allen das ewige Leben verheißt, gehört tatsächlich zu den unglaublichsten Ereignissen überhaupt.
Und im Verhalten der Jünger und Maria Magdalenas wird deutlich, dass diese, was ihren Glauben angeht, uns gegenüber keinen Vorteil dadurch haben, dass sie Jesus persönlich kannten. Sie müssen sich genauso an das Unfassbare herantasten, wie wir es müssen. Sie brauchen ihre Zeit, bis sie es begreifen.
Aber dann bricht Freude bei ihnen aus. Die Jünger stürzen Hals über Kopf aus dem Haus zurück nach Jerusalem, um allen von ihrer Begegnung mit Jesus zu erzählen und Maria Magdalena berichtet den Jüngern: „Ich habe den Herrn gesehen!“
Und genauso dürfen wir es halten, wenn wir angenommen haben, was da an Ostern in Jerusalem für uns passiert ist. Und dann dürfen wir unsere Freude heraussingen: Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; denn uns Heil hat Gott bereit‘! Halleluja!

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  Ostern – eine emotionale Herausforderung

Ostern – eine emotionale Herausforderung

Heiko Frubrich, Prädikant - 20.04.2022

Nach zwei Jahren coronabedingter Einschränkungen haben wir in diesem Jahr hier bei uns im Dom wieder das Osterfest fast so wie früher gefeiert. Der Karsamstag klang aus mit einer bewegenden Osternachtsfeier, in der alle zwölf Domglocken unserer Stadt Gottes Sieg über den Tod verkündet haben. Am Ostersonntag Festgottesdienst mit fröhlichen Osterchorälen und am Montag dann ein bunter Familiengottesdienst, in dem aus dem nackten Kreuz ein Blumenmeer wurde als sichtbares Zeichen der Auferstehung.
Trotz allem Belastenden, was sich in der Welt derzeit vollzieht, trotz des Krieges in Europa, trotz aller persönlichen Sorgen, die jede und jeder ja immer wieder mit sich herumträgt: Die österliche Freude war allen, die dabei waren abzuspüren und trotz Maske auch anzusehen. Selbst das Wetter zeigte uns im wahrsten Sinne des Wortes eitel Sonnenschein.
Dabei verlangt uns Ostern durchaus einiges ab. Bei keinem anderen Fest und zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr sind die Kontraste so gravierend wie an Ostern. Der Karfreitag liegt gerade mal fünf Tage zurück. Unser Altar war leer, lediglich die verloschene Osterkerze stand darauf, keine Blumen, keine Bibel, kein Kreuz. Am Nachmittag desselben Tages war die Matthäuspassion zu hören, in der Johann Sebastian Bach Jesu Leiden und Sterben in Wort und Musik beinahe körperlich spürbar macht.
Am Tag davor erinnerten wir an das letzte Abendmahl und an Jesus im Garten Gethsemane, wo wir ihn als weinenden und von seiner Angst beinahe erdrückten Menschen erlebten, scheinbar im Stich gelassen von seinen Freunden und von Gott.
Und aus diesen bedrückenden Erfahrungen heraus starten wir dann durch in den größten denkbaren Jubel, den wir uns als Christinnen und Christen im Kirchenjahr überhaupt erlauben. Wobei wir mit Blick auf die biblischen Texte irgendwie noch immer wie mit angezogener Handbremse unterwegs sind. Das Osterevangelium endet mit den Worten: „Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.“
Das klingt nun so gar nicht nach ausgelassener Partystimmung. Der Grund für das Zittern und Entsetzen und die Angst der ersten Zeugen liegt allerdings auf der Hand. Es ist die nicht wegzudiskutierende Unglaublichkeit dieser Geschichte. Wir dürfen sie vom Ende her verstehen. Wir wissen, wie Gottes Plan aussah und wie er ihn durch seinen Sohn in aller Konsequenz umgesetzt hat. Die Menschen, die damals vor diesem leeren Grab standen, hatte diese Erkenntnis bei weitem noch nicht. Für sie war der verschwundene Leichnam nur ein weiterer Schock, der auf Jesu Verrat, seiner Verhaftung und Verurteilung und seine Hinrichtung folgte.
Wir wissen heute, was das leere Grab für uns alle bedeutet und was für eine unfassbare Gnade uns dadurch von Gott zuteilwird. Und das ist in der Tat ein Grund zur Freunde, ein Grund zur Dankbarkeit und ein Grund zum Feiern. Und das haben wir getan. Denn der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja. Amen.

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  Was ist Wahrheit?

Was ist Wahrheit?

Heiko Frubrich, Prädikant - 13.04.2022

„Was ist Wahrheit?“ Diese Frage richtet der römische Statthalter Pilatus an Jesus, nachdem er ihn verhört hat. Er fragt nicht etwa, weil er nach dem Gespräch mit Jesus angefangen hat, sich für die Wahrheit zu interessieren. Damit hatte er schon lange aufgehört. Jesus hatte ihm gesagt, dass er in diese Welt gekommen sei, um die Wahrheit zu bezeugen. Doch was das bedeutet, ist Pilatus offenbar egal.
Und überhaupt, der Statthalter ist augenscheinlich von alledem genervt, was da passiert. Die Juden bringen ihm einen übernächtigten und misshandelten Wanderprediger, von dem für die römischen Besatzer ganz offensichtlich keine Gefahr ausgeht. Es sind irgendwelche religionsinternen Streitigkeiten, um die es hier geht, und Pilatus hat überhaupt gar keine Lust, sich da hineinziehen zu lassen, geschweige denn für die eine oder die andere Seite Partei zu ergreifen. Er will seine Ruhe haben und all diese Leute möglichst schnell wieder loswerden.
Was ist Wahrheit? Diese Frage wird wahrscheinlich schon gestellt, so lange es Menschen gibt. Pilatus ist an der Wahrheit nicht interessiert, weil es meint, sie habe für ihn keine Relevanz. Die Hohepriester haben sie verdreht, weil sie das Volk auf ihre Seite bringen wollen. Doch was Jesus hier tatsächlich meint, wenn er von Wahrheit spricht, versteht bis dahin keiner von ihnen.
Die Wahrheit des Pilatus ist das, was er aus Rom gesagt bekommt: „Halte uns den Laden in Jerusalem sauber und sieh zu, dass es da keinen Stress gibt.“ Die Wahrheit der Hohepriester ist: „Dieser Wanderprediger Jesus macht uns die Leute abspenstig. Er untergräbt unsere Autorität und dem müssen wir ein für alle Mal einen Riegel vorschieben.“ Die Wahrheit des Volkes ist: „Dieser Jesus von Nazareth ist offenbar doch nicht der ersehnte neue König. Er ist ein Versager und ein Aufschneider. Wir sind auf ihn hereingefallen und dafür soll er büßen!“
Und Jesu Wahrheit? Es ist keine, die auf einer Ansammlung wissenschaftlicher Daten basiert. Es ist keine, die auf von Menschen aufgestellten Thesen beruht. Es ist keine, die uns in irgendeiner Weise manipulieren soll. Jesu Wahrheit ist die, die von Gott kommt und die viel größer und umfassender ist als all das, was Pilatus, die Hohepriester oder das Volk in Jerusalem als ihre Wahrheit begreifen.
Pilatus durchschaut ganz sicher die Propaganda der Jerusalemer Geistlichkeit. Er weiß, dass ihre gegen Jesus vorgebrachte Anklage auf Lügen basiert. Und doch ignoriert er, was Jesus ihm sagt, geht nicht darauf ein und verpasst so die Chance, zu verstehen, mit wem er da gerade spricht.
Doch vielleicht ahnt es das ja. Und vielleicht fehlt ihm der Mut, sich auf Jesus einzulassen, weil er befürchtet, dass damit auch sein Weltbild ins Wanken geraten könnte. Und so versteckt er sich lieber hinter dieser rhetorischen Frage, auf die er tatsächlich gar keine Antwort haben will: Was ist Wahrheit?
Wir dürfen uns auf Jesu Wahrheit einlassen, denn Gott hat uns in Jesu Sterben und Auferstehung vor Augen geführt, was sie für uns bedeutet: ein Freiwerden von unseren Sünden, also von alledem, was uns von Gott trennt und ein Freiwerden von der endgültigen Macht des Todes. Gott hat seinen Sohn in diese Welt gesandt, um uns allen diese Wahrheit zu bezeugen. Und er hat uns geschenkt, dass wir es glauben dürfen. Amen.

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  Himmelschreiendes Unrecht oder Evangelium pur?

Himmelschreiendes Unrecht oder Evangelium pur?

Heiko Frubrich, Prädikant - 11.04.2022

Nach seiner Gefangennahme im Garten Gethsemane wird Jesus dem Statthalter Pilatus vorgeführt. Dem ist unwohl in seiner Haut und er sucht nach einer eleganten Lösung, um Jesus nicht hinrichten lassen zu müssen. Es gibt den Brauch, zum Passafest einen Gefangen zu begnadigen, den das Volk auswählen darf. Und so lässt Pilatus das Volk entscheiden, wer es denn sein soll: Dieser Jesus von Nazareth oder der Mörder Barabbas. Wir wissen, wie diese Entscheidung ausgegangen ist: Der Mörder wird freigelassen.
Was für eine unglaubliche Borniertheit, Dummheit und Kurzsichtigkeit! Das Volk kann einen Gefangenen begnadigen. Der eine ist ein Mörder, der andere ein Menschenfreund. Und das Volk entscheidet sich für den Mörder. Ist das zu fassen?
Das war keine sachlich abgewogene Entscheidung. Die konnte und sollte es auch gar nicht werden. Denn die Menschen waren massiv beeinflusst von den Mächtigen in Jerusalem. Was mussten die Hohepriester und Schriftgelehrten in den vergangenen Tagen nicht alles angestellt haben, um einen solchen Stimmungsumschwung zu erreichen? Am Sonntag haben die Jerusalemer Jesus noch zugejubelt – Hosianna dem Sohn Davids, dem König von Israel! Und jetzt entdecken dieselben Leute ihr Herz für einen Mörder.
Sie fordern Jesu Tod, ohne Nennung von Gründen, ohne ein gerechtes Verfahren, ohne ihm die Chance zu geben, sich zu rechtfertigen. Das Volk begehrt auf und Pilatus, der diesem Jesus von Nazareth eigentlich helfen wollte, er knickt ein. Er knickt ein und verhält sich damit genauso gnadenlos, wie die vielen anderen, die sich vor seinem Palast versammelt haben und lauthals schreien: „Kreuzige ihn!“
Ja, diese Geschichte ist aufrüttelnd und empörend und sie lässt uns fragen, wie das nur alles so hatte möglich werden können. Doch sie hat auch eine ganz andere Aussage.
Barabbas wird begnadigt, obwohl er es nach unseren Maßstäben nicht verdient hat. Und statt seiner wird ein Unschuldiger geopfert. Aber ist das nicht genau das, was Jesus mit seinem Kreuzestod für uns alle erreicht hat?
Hier wird einem Menschen unverdiente Gnade zuteil. So wie auch uns – Ihnen und mir immer wieder. Genau so handelt Gott an allen Menschen. Er schenkt uns seine Gnade und er fragt nicht danach, ob sie verdient ist, weil man Gottes Gnade gar nicht verdienen kann. Sie wird verschenkt. Und wenn wir anfangen, das mit unseren menschlichen Maßstäben zu bewerten, dann wird das nicht klappen.
Das Schicksal des Barabbas ist die erste Situation, in der Jesu Verdienst offenbar wird. Er nimmt das Kreuz für uns alle auf sich – für uns alle und damit eben auch für jenen Barabbas. Nein, diese Geschichte ist nicht ungerecht und empörend. Sie ist die konsequente Ableitung aus Jesu Auftrag.
Auch die vermeintlich dunklen Seiten der Passionsgeschichte sind Evangelium pur. Und aus unserer heutigen Perspektive können sie uns nur mit großer Dankbarkeit erfüllen.
Wie wunderbar sich Gottes Plan zu unser aller Gunsten fügt. Es ist gut, dass wir uns immer wieder daran erinnern. Amen.

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  Die entscheidende Woche

Die entscheidende Woche

Joachim Hempel, Domprediger em. - 09.04.2022

Jetzt beginnt die entscheidende Woche, - nicht nur, dass nach alt-kirchlicher Tradition zwischen Palmsonntag und den Jubelrufen der Jerusalemer - und dem Karfreitagstod am Kreuz vor den Toren der Stadt von allen verlassen - die entscheidende Woche im Leben des Jesus aus Nazareth sich ereignet, nein, jetzt beginnt die entscheidende Woche auch für Sie und Dich und mich in unserer Sicht auf das Leben: Denn allem noch so intensiven Mühen um ein gesundes, ausgeglichen ernährtes, gutes Leben mit reduzierter Zahl an Sorgenfalten, Herzbeschwer und geistiger Frische folgt das Natürlichste vom Natürlichen im Leben – der Tod.
Die Karwoche komprimiert nicht nur die Lebensstationen des Jesus, sondern sie führt uns mit ihren Ereignissen, Bildern und Deuteworten auch vor Augen, wie's um uns steht, so mitten im Leben oder wie bei mir eher am Ende des Lebens. Es bleibt immer noch ein Rest Lebenszeit, und wir tun ja allerhand, um diesen Rest hinauszuschieben; aber die Natur ist nun mal die Natur, ihre Gesetzmäßigkeiten sind Grundlage auch der menschlichen Existenz. Es ist ja eher ein mentales Problem, wie wir mit der Frage nach dem Tod, - dem schrecklichen in den Straßen ukrainischer Dörfer, dem hungrigen in den Flüchtlingslagern der Welt, dem schleichenden in den Hospizen und Krebsstationen - umgehen. Versuchen wir, ihn zu umgehen? Versuchen wir, dem Psalmbeter zu folgen, der schon vor über 3000 Jahren bittet: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf das wir klug werden!“
Die Karwoche ist deswegen so entscheidend, weil sie zu Karfreitag - hier im Dom durch die musikalisch dramatische Matthäus-Passion betrauert - den Tod beklagt, aber nach des Grabes Ruhe am Sonntag einen Ostermorgen hervorbrechen läßt: Den Sieg des Auferstandenen, den Sieg des Lebens über den Tod. Das war und ist Kern unseres christlichen Glaubens: Unsere Kirchen, auch dieser Dom sind ja nicht vom 'Verein zur Erinnerung an Jesus von Nazareth' gebaut, sondern weil Frauen und Männer seine Auferstehung glaubten und verstanden, dass das die entscheidende Frage an alles Leben ist. Dieses Leben war dem Schöpfer zu kostbar, als es dem ewigen Tod zu überlassen.
Und so sitzen wir seit Heinrich des Löwen und Mathildes von England Zeiten hier im Dom auf den Gräbern der Verstorbenen, - wie heute auch - und werden wieder und wieder die Osterlieder unseres Glaubens singen! „Wär ER nicht erstanden, so wär die Welt vergangen...“ singt der Osterchoral. Christus ist auferstanden, sagt unser Glaube, ob Du das glaubst oder nicht...: Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!

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  Erwartungen

Erwartungen

Heiko Frubrich, Prädikant - 08.04.2022

Überall dort, wo Menschen sich begegnen, haben sie Erwartungen aneinander. Sie haben jetzt wahrscheinlich die Erwartung an mich, dass ich hier verständlich spreche und keinen Blödsinn erzähle – ich gebe mein Bestens und erwarte wiederum von Ihnen, dass Sie mich im gegenteiligen Fall zumindest nicht mit Tomaten bewerfen. Auch Menschen, die sich völlig fremd sind, haben gegenseitige Erwartungen. Wenn Sie nachher nach Hause gehen, haben sie der Erwartungshaltung an jeden Autofahrer, dass er Ihre grüne Fußgängerampel respektiert und Sie nicht über Haufen fährt. Die die Damen und Herren hinter dem Steuer erwarten von Ihnen, dass Sie nicht fröhlich bei Rot über die Straße laufen.
Je enger und vertrauter wir miteinander sind, desto vielschichtiger ist unser gegenseitiges Erwartungsgefüge. Denken Sie an Ihre Familien und Freundeskreise und Sie werden ganz schnell merken, wie komplex es da werden kann. Und wehe, jemand enttäuscht unsere Erwartungen. Dann sind meist Frust und Ärger vorprogrammiert. Im Idealfall können wir mit unserem Gegenüber offen über das reden, was uns erzürnt hat. Schlimmstenfalls gibt es richtig Stunk und eine Beziehung zwischen zwei Menschen geht über enttäuschte Erwartungen in die Brüche.
In unserem Verhältnis zu Gott ist das im Übrigen nicht wesentlich anders. Gott hat, da bin ich mir sehr sicher, Erwartungen an uns und an unsere Lebensführung. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, sagt Jesus Christus. „Geht anständig miteinander um, und wenn Ihr Euch unsicher seid, was das bedeutet, dann schaut auf mich und mein Leben.“ So könnte man es kurz und knapp zusammenfassen.
Unsere Erwartungshaltung an Gott ist hingegen höchst diversifiziert. Ich frage Sie jetzt mal ganz direkt: Was erwarten Sie von Gott? Ich bin mir sicher, dass wir uns selbst hier heute Nachmittag im Dom nicht auf eine prägnante Antwort auf diese Frage einigen könnten.
Beim Blick in die Ukraine haben sicherlich viele den Wunsch an Gott, dass er dem Krieg lieber heute als morgen ein Ende setzen möge. Vielleicht würde der eine oder die andere auch begrüßen, dass er Herrn Putin kräftig und für uns alle sichtbar bestraft. Ich will Ihnen die Hoffnung nicht nehmen, aber ich glaube nicht, dass das so passieren wird.
Im ersten Buch der Könige heißt es: „Vor dem Herrn her kam ein großer und gewaltiger Sturmwind, der Berge zerriss und Felsen zerbrach, in dem Sturmwind aber war der Herr nicht. Und nach dem Sturmwind kam ein Erdbeben, in dem Erdbeben aber war der Herr nicht. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer, in dem Feuer aber war der Herr nicht. Nach dem Feuer aber kam das Flüstern eines sanften Windhauchs.“
So ist Gottes Wirken und so ist sein Wesen, nicht Sturm, nicht Erdbeben, nicht Feuer, sondern ein Flüstern im sanften Wind. Vielleicht kann uns dieses Bild helfen, unsere Erwartungshaltungen an ihn zu überprüfen, Enttäuschungen zu vermeiden und ihn ein wenig besser zu verstehen. Amen.

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  Danke

Danke

Lars Dedekind, Propst - 06.04.2022

Morgens auf dem Weg zur Arbeit höre ich im Radio Nachrichten und die aktuellen Pressestimmen. Ehrlich gesagt, bin ich damit zwar ganz gut informiert, aber positiv motivierend ist das meistens nicht.
Auf der Arbeit angekommen, lese ich nach einem kleinen Schwätzchen mit dem Vorzimmer meine E-Mail-Eingänge und bekomme dann die Postmappen reingereicht. Auch dort viel Informatives; manches, was es halt abzuarbeiten gilt, und zum Teil auch verschlossene direkt an mich adressierte Briefe. Der Inhalt manchmal sehr schwer, weil es oft die Probleme sind, das Belastende, das Störende und manchmal auch das ... Verstörende, was Menschen veranlasst, mir zu schreiben. Hin und wieder erreicht mich auch mal eine richtige Frustnachricht, in der jemand allen Ärger und aller Wut drastisch Ausdruck gibt. - Keine Bange, die Einzelheiten erspare ich Ihnen!
Vor ein paar Tagen aber habe ich einen Brief erhalten, der mir noch sehr nachgeht. Denn trotz oder vielleicht auch aufgrund aller Herausforderungen, die uns gerade betreffen - als Kirche, als Gesellschaft, als Menschheit - war der Inhalt dieses Briefumschlags kein Wutschreiben. Ganz im Gegenteil! „DANKE“ stand da mit großen, fetten Buchstaben aufs Papier gemalt. Und darunter: „Ich wollte einfach nur mal Danke sagen. Danke für all das, was Kirche tut. Danke für Gottesdienste und Gebete. Danke, dass es Orte gibt, zu denen ich kommen darf, wie ich bin. Danke fürs Zuhören und Ermutigen. Das wollte ich Ihnen einfach mal schreiben und Danke sagen.“
Puh, ganz ehrlich, darauf war ich nicht vorbereitet und ein wenig peinlich berührt war ich auch, denn ich weiß ja darum, dass auch die kritischen Stimmen nicht nur Unrecht haben. - War dieser Dank gerechtfertigt? - Ich weiß doch darum, dass halt auch manches schief läuft bei uns Christenmenschen, bei mir persönlich und bei uns als kirchliche Gemeinschaft.
Und doch, diese Dankesbotschaft – sie geht mir nach. Sie ist in den Disharmonien des Alltags mir eine Stimme der Zuversicht.
Keine blinde Lobhudelei, aber hin und wieder ein unerwartetes Zeichen der Dankbarkeit oder des Zuspruchs oder eine Geste der verständnisvollen Zuwendung. Ja, das ist es, was inmitten aller berechtigter Kritik und kritischer Nachfragen so oft fehlt. Kleine Zeichen gegenseitiger Achtsamkeit. Worte der Ermutigung und der Ermöglichung, all das kann in so einem schlichten Wort mit seinen fünf Buchstaben zum Ausdruck gebracht werden:
D A N K E – Danke!

Vielleicht nehmen Sie dieses Wort aus dieser Andacht mit. Schauen Sie doch mal, was es gibt, wofür Sie, wofür wir dankbar sein können. Nicht unbedingt mit der rosa-roten Brille, aber halt doch mit dankbaren Augen offen durchs Leben zu gehen, das verändert meine Wahrnehmung. All dem Bedrohlichen und Beängstigenden kann ich mit dem Blick der Dankbarkeit Gutes und Schönes und Leben bewahrendes gegenüberstellen. Und sicherlich werde ich auch in meinem Umfeld Menschen entdecken, denen ich einfach mal Danke sagen möchte.
„Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“
(1 Thessalonicher 5:16-18)

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  Butscha

Butscha

Heiko Frubrich, Prädikant - 04.04.2022

„Man halte nur ein wenig stille und sei doch in sich selbst vergnügt, wie unsers Gottes Gnadenwille, wie sein Allwissenheit es fügt; Gott, der uns sich hat auserwählt, der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.“ So dichtet Georg Neumark Mitte des 17. Jahrhunderts in seinem Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Gottes Allwissenheit. Ja, sie gehört zu seinen unsererseits weithin akzeptierten Eigenschaften. Wenn von ihm alles kommt und zu ihm alles geht, wenn er die großen Linien in unserem Leben plant und begleitet, wenn er, wie er es dem Propheten Samuel sagt, in unsere Herzen schaut, dann haben wir keinen Grund an seiner Allwissenheit zu zweifeln.
Und dennoch stellt Gott Fragen. Und er stellt sie bereits ganz am Anfang unserer Beziehungsgeschichte. Adam und Eva essen verbotenerweise eine Frucht vom Baum der Erkenntnis. Sie werden sich ihrer Nacktheit bewusst und verstecken sich vor Gott im Garten Eden. Doch Gott macht sich auf die Suche, und er fragt: „Adam, wo bist du?“ Natürlich geht es Gott nicht darum, zu erfahren, hinter welchem Busch sich Adam gerade versteckt. Seine Frage ist viel weitergehend.
Gott fragt hier nicht alleine Adam. Gott fragt stellvertretend ihn für uns alle. Adam, wo bist du, hat er gesagt. Mensch, wo bist du, sollen wir hören. Mensch, wo bist du?
Uns erreichen grausamste Bilder aus dem ukrainischen Butscha. Dort wurden wehrlose Zivilisten hingerichtet. Ihre Leichen liegen in den Straßen der Kleinstadt vor den Toren Kiews. Es ist ein Gesicht des Krieges, dessen Anblick wir hier ertragen müssen. Doch es ist eben auch des Menschen Werk, das sich hier zeigt. Es ist des Menschen Werk und doch so unendlich weit weg von jeglicher Form der Menschlichkeit.
Ich blicke fassungslos auf die Toten von Butscha. Und es werden Fragen in mir laut: Was treibt Menschen zu solchen Grausamkeiten? Wie kann es sein, dass so brutal und sinnlos Blut vergossen wird?
Diese Fragen sind nicht neu. Sie werden gestellt, wahrscheinlich seit es Menschen gibt. Die Frucht vom Baum der Erkenntnis hat uns alle gelehrt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Sie hat uns aber auch die Möglichkeit gegeben, uns auf die eine oder die andere Seite zu stellen. Sie hat uns eröffnet, Gutes zu tun, aber eben auch Böses.
Und damit sind wir in der Lage, auch gegen den Willen und gegen den Plan unseres Schöpfers Grenzen zu überschreiten. Dass Menschen einander Leid antun, dass sie sich mit Krieg, Zerstörung und Tod überziehen, ist ganz sicher nicht das, was Gott für uns gedacht hat. Er ist ein Gott des Friedens und ein Freund der Freiheit und des Lebens. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, ist der Leitspruch, den er uns allen mit auf den Weg gibt.
Und ich kann mir vorstellen, dass er angesichts dessen, was in Butscha passiert ist und an viel zu vielen weiteren Orten dieser Welt passiert, erneut diese Frage stellt: Mensch, wo bist du? Amen.

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  Die andere Welt

Die andere Welt

Henning Böger, Pfarrer - 02.04.2022

Sie habe es einfach nicht mehr ausgehalten, sagt Vera Lytovchenko.
Die junge Musikerin lebt in der Stadt Charkiw in der Ukraine. Sie hat lange Nächte im Keller erlebt, die ständige Angst vor Luftangriffen, die Furcht ums eigene Leben, um ihr Hab und Gut. All das hielt sie nicht mehr aus und wollte darum etwas Schönes tun.
So nimmt die junge Musikerin ihre Geige mit in den Luftschutzkeller und spielt dort unten bei Kerzenschein ein ukrainisches Volkslied. Die Menschen im Keller sind tief bewegt, Tränen fließen. Und später sagt Vera: „Wir sind in diesem Keller zu einer Familie geworden, und als ich spielte, da vergaßen wir für einige Momente den Krieg dort oben, dachten an etwas anderes, viel Schöneres.“

Ja, es gibt sie: die andere Welt mitten in dieser Welt, deren dunkele und brutale Seite wir derzeit so nah und unmittelbar erleben müssen. Und die Geschichte von Vera Lytovchenko und ihrer Liebe zur Musik mitten im Kriegsirrsinn erzählt von dieser anderen Welt. Jesus hat sie das Reich Gottes genannt.
Es ist die Welt der Fürsorge und des Zarten. Da sind Menschen nicht gegeneinander eingestellt, sondern füreinander da. Mit leiser Musik, mit freundlichen Gesten und tröstenden Worten. Heilsam ist diese andere Welt. Ein starkes Hilfsmittel gegen die Angst.

„Der Mensch ist das Wesen, das immer entscheidet“, schreibt der Psychiater Viktor Frankl: „Und was entscheidet es? Was es im nächsten Augenblick sein wird!“ Ich höre das so: Niemand von uns muss anderen böse oder feindselig sein. Es ist für uns immer möglich, auf der freundlichen, liebenswürdigen Seite der Welt zu leben, von anderen möglichst gut zu denken, ihnen kein Leid zufügen zu wollen, sondern füreinander heilsam zu sein.
Das ist das Reich Gottes. Von ihm sagt Jesus sehr deutlich: „Seht, es ist mitten unter euch!“ (Lukas 17,21) In Charkiw zaubert eine junge Musikerin mit ihrem Geigenspiel dieses Reich mitten hinein in einen dunklen, angstvollen Keller - und mit ihm die Zuversicht, dass dieser Wahnsinn enden wird! Amen.

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  „Ich bin allein übrig geblieben“

„Ich bin allein übrig geblieben“

Werner Busch, Pfarrer an St- Katharinen - 30.03.2022

„Ich bin allein übrig geblieben“ (1. Könige 19), sagte er hinterher. Die Legende von Elia ist ein Lehrbeispiel für die einfühlsame und psychologisch hintersinnige Klugheit der hebräischen Bibel, unseres Alten Testaments. Ich bin allein übrig geblieben, klagte der niedergeschlagene, erschöpfte Prophet nach einer ungeheuren Eskalation.
Seiner Klage war etwas vorausgegangen. Eine gewaltige Szene spielt sich da in dem Buch der Könige ab. Schauderhaft und abgründig geht es da auf dem Gipfel eines Berges zu. Der religiöse Unterschied zu den Priestern eines anderen Glaubens war zum politischen Kampf ausgewachsen. Der Königshof schürte diesen Konflikt. Es kam zum großen Showdown zwischen Elia und den Baalspriestern. Ein Gotteswunder gab ihm derart Aufwind, dass er mit dieser Bestätigung im Rücken völlig entfesselt wurde. Mehrere Hundert Mann schlachtete er dahin. Nach dem Blutrausch reicht die erwartbare Reaktion aus dem Königshaus, und Elia sackt völlig in sich zusammen. Dabei war doch klar, dass eine politische Gewalttat mit den Mitteln staatlicher Macht beantwortet werden würde. Das Königshaus droht ihm, und es bleibt nichts mehr übrig von dem Mut und der Standfestigkeit. Er rennt um sein Leben und flieht in die Wüste. Dort in der Einsamkeit spricht Gott mit ihm und fragt: Was machst Du hier? „Ich bin allein übrig geblieben.“ Das war die ganze Zeit das Gefühl, das ihn getrieben hat: Ich bin auf einsamem Posten. Keiner versteht mich richtig. Wer diese Gedanken in sich nährt, tut sich selbst keinen Gefallen. Wer dieses Gefühl von Einsamkeit und Verlorenheit pflegt, sollte aufpassen, dass er damit nicht – gewiss ungewollt – die Eskalation vorbereitet. Die Eliageschichte spielt diesen Denkansatz einmal bis zum grausigen Ende durch. Das was in hemmungsloser Gewalt gipfelte, hatte seine Wurzeln in dem Satz: Ich bin allein übrig geblieben.“ Dort, im Blutrausch, hat Elia schließlich sich selbst verloren und brach in sich zusammen. Es blieb nur die Flucht. Ausweichen. Dort, wo er wirklich allein war, in der Wüste, auf sich gestellt, kühlte seine Seele ab. Und er begegnete seinem Gott, für den er so maßlos geeifert hat. Er begegnete ihm nicht im Erdbeben. Nicht im Feuer. Nicht im großen Drama und nicht im lauten Knall. Er begegnet ihm in einem leisen Windhauch, in einer „Stimme verschwebenden Schweigens“. Im Flüstern eines sanftes Windhauchs trat Gott an ihn heran. Der Schöpfer ist auch für uns in einem nahen Jenseits ungreifbar anwesend. Kein Gott der schrillen Töne. Bei einem späten Nachfolger von Elia, bei Jesaja hat sich das Bild des Propheten vollends gewandelt. „Siehe, das ist mein Knecht, den ich halte, und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. 2 Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. 3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.“ (Jesaja 42). Ein Bild von einem Menschen, den Gott für sein Segenswerk gebrauchen will. Eine Rolle, die in immer neuer Besetzung ihren Glanz gefunden hat. Wir glauben, dass auch Jesus sie ausfüllt und in ihm sich auch etwas erfüllt, wonach nicht nur die alten Propheten sich sehnsüchtig ausgestreckt haben. „Auch die fernen Inseln warten auf seine Weisung.“ Und hören sein Wort neu für unsere Tage: „Ihr sollt Frieden in mir haben. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Johannes 14)

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  Da hilft nur noch beten!

Da hilft nur noch beten!

Werner Busch, Pfarrer - 28.03.2022

„Da hilft nur noch beten!“ Oft stimmt das nicht. Bei vielen Problem lässt sich sehr wohl etwas tun. Geldprobleme, Eheprobleme, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz – du bist dem nicht machtlos ausgeliefert. Therapeuten und Berater können weiterhelfen. Notfalls Juristen. Manchmal ist es einfach der Beistand von guten Freunden, der dir durch eine Notlage hilft. Nicht umsonst heißt es: „Bete und arbeite!“
Aber manchmal stößt Du an Grenzen. Für manche Schwierigkeiten gibt es keine Lösung. Für manchen Konflikt keine Versöhnung und für manche Sorge keinen guten Rat. Da hilft nur noch beten. Wenn Du und deine Berater mit Eurem Latein am Ende seid, wenn das Ganze über Deine Kräfte geht, dann lass diese letzte Option nicht ungenutzt. Beten hilft. Beten ist nicht unbedingt eine schnelle Problemlösung. Aber wenn Du mit Gott über die Last der Welt und deine privaten Nöte sprichst, öffnest Du Deinen Geist. Beim Beten machst Dich bereit für Unerwartetes. Du lässt Gott, der in einem nahen Jenseits ungreifbar anwesend ist, in dein Leben, in deine Lage.
Die meisten biblischen Beispiele beschreiben solche Lebenserfahrungen, indem sie Geschichten erzählen. Der Lauf der Dinge offenbart – manchmal und auch erst mit der Zeit – wie Gott seine Hand im Spiel hat. Er ist kein Theatergott. Der Gott Abrahams und der Vater Jesu Christi ist kein „Deus ex machina“, der wie mit einer technischen Vorrichtung
mechanisch in der Handlung auftaucht und völlig unvermittelt eine Lösung herbeizaubert. Der Gott, dem wir vertrauen, ist Wegbegleiter und fädelt seinen Segen in unseren Geschichten ein. Beten ist deshalb nicht der Wunderknopf des Glaubens, den man in der Not nur zu drücken braucht. Beten ist eher eine Einladung an Gott, sich in unser Leben einzumischen und unsere Welt nicht ganz uns und damit sich selbst zu überlassen. So gesehen, hilft beten eigentlich immer. Es führt dich zu einer Erfahrung, die in den Glaubenslegenden wieder und wieder wiederholt wird. Gott spricht: Ich will dich segnen. Ich bin mit dir, wohin du auch gehst. Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welten Ende.
In unseren Tagen folgen wir einer Gebetsaufforderung, die gerade jetzt Not tut. Der Krieg gegen die ukrainische Bevölkerung erschüttert das Vertrauen in die europäische Stabilität und die Wirksamkeit diplomatischer Bemühungen. Andere mögen handeln und daran arbeiten, dass der Konflikt sich nicht ausweitet. Wir hören eine urchristliche Aufforderung, die uns ins Gebet ruft: „Zuerst und vor allem bitte ich euch, im Gebet für alle Menschen einzutreten: Bringt eure Wünsche, Fürbitten und euren Dank für sie vor Gott.2Betet auch für die Könige und alle übrigen Machthaber. Denn wir wollen ein ruhiges und stilles Leben führen –in ungehinderter Ausübung unseres Glaubens und in Würde. So ist es recht und gefällt Gott, unserem Retter. Er will ja, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn nur einer ist Gott und nur einer der Vermittlerzwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus.“ 1. Timotheus 2,1-5

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  Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit!

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit!

Heiko Frubrich, Prädikant - 26.03.2022

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit! Was für ein Satz! Paulus hat ihn an die Gemeinde in Korinth geschrieben und man könnte Zweifel haben, ob er tatsächlich von Paulus stammt, weil man ihn schon beim ersten Lesen oder Hören versteht. Doch er ist von ihm und die junge christliche Gemeinde in Korinth brauchte solch klare Ansagen. Denn sie war zerstritten. Es gab wüste Diskussionen über den richtigen Weg, darüber, wie man denn sein Leben auszurichten hätte zwischen den strengen Regeln des Alten Testaments und der alles verändernden Kraft, die von diesem Jesus von Nazareth ausging.
Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit! Was Paulus hier meint, ist ein Freiwerden von einem von Menschen konstruierten Korsett aus Regeln und Vorschriften. Es ist ein Ausbrechen aus der Unmündigkeit hin zu eigenverantwortlichen Leben als ein geliebtes Gotteskind. Es ist die Freiheit, von der auch Martin Luther als der Freiheit eines Christenmenschen spricht. Wir sind niemandes Untertan und gleichzeitig Diener unseres Nächsten. Wir leben so in göttlicher Freiheit und diese Freiheit ist uns geschenkt. Sie ist uns geschenkt, weil Gott ein Freund der Freiheit ist und weil er für uns ein Leben gedacht hat, das wir ohne Zwang, ohne Repressalien und ohne Unterdrückung, sehr wohl aber im Bewusstsein der Verantwortung vor uns selbst und vor Gott leben können.
Doch es gibt auch Feinde dieser Freiheit. Und so kommt es, dass Menschen immer wieder und an vielen Orten auf dieser Welt dafür kämpfen mussten und müssen, frei und selbstbestimmt zu leben.
Genau das ereignet sich um den Jahreswechsel 2013/2014 in Kiew auf dem Majdan. Als Revolution der Würde sollte in die Geschichte eingehen, als Millionen von Menschen für ihre Freiheit auf die Straße gingen. Sie wollen ein Ende ihrer Bevormundung und Unterdrückung. Und am Ende siegt der Wunsch nach Freiheit und die Ukraine macht sich auf den Weg in Richtung Demokratie.
Freiheit befreit von Unterdrückung, doch sie gefährdet Macht und Reichtum der Unterdrücker. Und wir müssen erleben, dass diese nicht davor zurückschrecken, selbst einen brutalen Krieg zu beginnen. Ein Diktator überzieht die Ukraine mit Gewalt und Terror, stürzt Menschen in Not und Elend und zeigt seine Skrupellosigkeit gegenüber Menschenrechten, Menschenwürde und Menschenleben.
Eine große Staatengemeinschaft sucht nach Wegen, um zu helfen ohne zu eskalieren. Sie sucht nach Wegen, um Solidarität auszudrücken ohne weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Sie sucht nach Wegen, um das Blutvergießen schnellstmöglich zu beenden, ohne aber die mühsam errungene Freiheit der Ukraine preiszugeben.
Und wir stehen da und empfinden Trauer und Wut und Angst. Doch aus einer uns anfangs lähmenden Hilflosigkeit ist mittlerweile eine große Hilfsbereitschaft geworden, die sich in einem beeindruckenden Engagement so vieler manifestiert. Sie findet ihren Ausdruck in Geld- und Sachspenden, in herzlicher Gastfreundschaft, darin, den aus der Ukraine geflüchteten Menschen ein gutes Ankommen zu erleichtern. Auch der Dom und St. Magni stellen im Schulterschluss mit unübersehbar vielen Menschen und Institutionen Wohnraum, Geld und Begleitung zur Verfügung.
Darüber hinaus verbinden sich weltweit aber auch Menschen im gemeinsamen Gebet – dafür, dass der Krieg enden und Gott nicht vergessen möge, welches Lebensmodell er für uns Menschen vorgesehen hat: nämlich das des Friedens und der Freiheit. Amen.

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  Mund und Lippen regen…

Mund und Lippen regen…

Gabriele Geyer-Knüppel, Pfarrerin - 25.03.2022

Laetare – übersetzt: Loben …so heißt der 4 Sonntag der Passionszeit, den wir am Sonntag begehen. Er verweist darauf, wie wichtig Lob und Dank sind, wenn wir in Kontakt mit Gott treten wollen. Loben geschieht schon zu biblischer Zeit mit Musik und Gesang. Wir erinnern uns an Miriam, die nach dem erfolgreichen Zug durch das Schilfmeer das Tamburin nimmt und Gott mit einem Lied für die Rettung dankt. Berühmt geworden sind die Psalmen Davids - Gesänge, mit denen er Gott die Ehre gibt. Wir sprechen sie bis heute im Gottesdienst. Und wer die Kantoreien am Dom kennt und ihren Gesang liebt, der hat hier auch schon wunderbare Psalmvertonungen gehört. Singen, Loben, Danken – dazu benutzen wir Mund und Lippen; damit auch wirklich etwas zu hören ist, unsere Stimme. Wer gerne singt, weiß, in welche Tiefen es führt und von Innen heraus befreit. Oft singen sich kleine Kinder in den Schlaf. Auch beim Gehen in den dunklen Keller soll Singen helfen. Mund und Lippen regen - das ist ein Akt der Selbstvergewisserung und zugleich die ursprünglichste Form, mit Gott in Beziehung zu treten. Alle großen Religionen der Welt kennen Gesänge, mit denen sie Gott loben und preisen. Mund und Lippen kommt nach biblischem Verständnis immer auch eine symbolische Bedeutung zu. In der Berufungsgeschichte des Propheten Jesaja heißt es: Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm; und der Engel rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei. Erst nach diesem Reinigungsakt bestimmt Gott Jesaja zu seinem Propheten. Worte der Klage, des Lobes und des Gerichtes werden ihm fortan über die Lippen gehen. So ist es bis heute ein Auftrag an die Kirche und die Menschen, die sich in ihr zum Lobe Gottes vereinen, Mund und Lippen verantwortungsvoll zu gebrauchen. Ein Lied von Paul Gerhardt aus dem Jahr 1653 weiß, dass das nur mit Gottes Segen gelingt:
Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren!

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  Heute, so ihr seine Stimme höret…

Heute, so ihr seine Stimme höret…

Gabriele Geyer-Knüppel, Pfarrerin - 24.03.2022

Wer in den Braunschweiger Dom zum Abendsegen kommt, der/die wird für einen Moment zum Hörer, zur Hörenden. Orgelmusik, die wohltut, dringt durch unser Ohr in unser Inneres, berührt und entspannt uns. So auch die Worte, die von Gott erzählen oder im Gebet dazu führen, dass wir Gott hören können. Der christliche Gott ist ein Gott, der sich verständlich machen möchte. Er ist auf unser Gehör angewiesen und, weil das Wort sich vom Hören ableitet, auch auf unseren Gehorsam. Oft wird dieses Wort falsch interpretiert und als Unterwerfung verstanden. Dabei heißt Gehorsam nichts anderes als dem gehörten Wort Gottes gemäß zu handeln. Da aber fangen die Schwierigkeiten an. Menschen hören mit einem persönlichen Filter und darum verstehen sie dasselbe Wort oft ganz unterschiedlich. Das kennen wir auch aus dem Alltag. Dann nennen wir das Missverständnis.
In der Bibel findet sich das Wort „Hören“ insgesamt 112 mal: 59 Stellen kennt das Alte Testament und 53 das Neue. Verständigung ist der Schlüssel für das, worum Gott mit seinen Geschöpfen ringt. Hören ist eben nicht allein ein biologischer Prozess. Er setzt auch eine spirituelle Dimension des sich Öffnens voraus. Die Männer und Frauen, die zu ProphetInnen berufen werden, hören Gottes Stimme oft erst in der Abgeschiedenheit eines Ortes: In der Wüste, auf einem Berg, im Schlaf in der Nacht. Der Prophet Elia, der so sehnsüchtig darauf wartet, Gottes Stimme zu hören, um durch sie Kraft und Mut zu tanken - er muss lernen, dass sich Gottes Stimme weder im Feuer noch im Sturmwind sondern in einem leichten Säuseln verbirgt.
Die Sehnsucht, Gottes Stimme zu hören, wird spürbar größer unter den Menschen in der Welt, seitdem der Krieg in der Ukraine begonnen hat. Ein Machtwort wünschen wir uns, das diesen absurden schmerzhaften Krieg zu einem Ende bringt. Ob es zu hören wäre in all den Schüssen, Explosionen und Hilferufen? Im Hebräerbrief heißt es: Heute, wenn ihr seine Stimme höret, so verschließt euer Herz nicht. (Hebr.3,7) Es benennt das Herz als entscheidend wichtigen Ort, um Gottes Stimme zu hören… LEB ist das hebräische Wort für Herz. Im Verständnis der Bibel findet man sich mit dem Herzen im Leben zurecht; es ist der Ort der Einsicht und des Wollens, des Verstehens und Stellungnehmens, des Gedächtnisses an die Vergangenheit und des Entschlusses für die Zukunft. Horchen sie bei der Orgelmusik einmal einen Moment auf ihr Herz. Möglicherweise ist dann auch Gottes Stimme zu vernehmen…

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  …er gab uns Augen, dass wir recht seh`n

…er gab uns Augen, dass wir recht seh`n

Gabriele Geyer-Knüppel, Pfarrerin - 23.03.2022

Wir befinden uns in der dritten Woche der Passionszeit. Sie beginnt am Aschermittwoch und führt uns im Kirchenjahr in 7 Wochen auf Karfreitag und Ostern zu. Dunkles und Helles verbindet sich in der Geschichte Jesu bis zu seiner Auferstehung miteinander. Dunkles und Helles erleben wir alle in unserem Leben. Seitdem der Krieg in der Ukraine begonnen hat, ist es dunkler geworden im Antlitz der Welt. Wir müssen das Helle neu suchen und wahrnehmen lernen. „Oculi“ heißt der 3. Sonntag der Passionszeit, der hinter uns liegt. Das ist das lateinische Wort für „Augen“, abgeleitet aus dem 25. Psalm, in dem es heißt: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Unsere Augen schauen seit dem 24. Februar unentwegt und mit Fassungslosigkeit auf das, was in den Medien über den Krieg in der Ukraine gezeigt wird. Manchmal möchten wir einfach die Augen schließen vor dem Leid und der Not, die wir da sehen. Das was dort geschieht, ist so schwer zu ertragen. Die Ohnmacht, in die es uns versetzt, kaum auszuhalten. Kann uns das Psalmwort davon befreien? „Meine Augen sehen stets auf den Herren“. Ich frage: Wie macht der Psalmbeter das, stets auf den Herrn zuschauen? Was bringt es ihm, so zu leben? Ich erlebe in diesen Tagen, dass der Blick weg von mir und von dem, was die Welt uns derzeit aufgibt, die Qualität eines Lichtblicks hat, vielleicht auch eines Durchblicks. Wenn ich auf den Herrn schaue, dann kann ich in allem, was in der Welt geschieht, Gott mitdenken, ihn mit hineinsehen in die Not der Welt. Nicht als allmächtigen aber als mitleidenden Gott – so wie er in Jesus Christus Mensch geworden und ans Kreuz gegangen ist.
Ein Blick auf diesen menschgewordenen Gott ermöglicht uns für einen Moment den Blickwechsel. Er macht uns hellsichtig und gibt Kraft, das Dunkel dieser Zeit durch verantwortliches Handeln zu erhellen. Menschen, die in der Ukraine nicht mehr leben können, weil sie alles verloren haben und ihr Leben bedroht ist, sind jetzt hier. Vorsichtig tasten sie sich in das neue Leben hinein, diese Stadt, die Sprache, die Ämter, die sie aufsuchen, um die notwendige Unterstützung zu bekommen. Sie freuen sich, wenn wir sie in den Blick nehmen und willkommen heißen.
In einem Kirchentagslied heißt es: Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir recht sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

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  Was uns reich macht

Was uns reich macht

Heiko Frubrich, Prädikant - 21.03.2022

Speiseöl ist das neue Toilettenpapier – so titelte jüngst die Stiftung Warentest. Grund dafür sind wieder aufgetretene Hamsterkäufe. Waren sie zu Beginn der Coronapandemie auf die Rollenware für die heimische Nasszelle gerichtet, so sind es jetzt Pflanzenöle, da diese zu einem großen Anteil aus der Ukraine und aus Russland importiert werden. Und es breitet sich die Sorge aus, dass durch das Kriegsgeschehen auf einmal nicht mehr ausreichend davon verfügbar sein könnte.
Experten und Politiker empfehlen zwar Gelassenheit, weil nach ihrer Aussage die Versorgung sichergestellt sei, dennoch leeren sich die Supermarktregale, nicht etwa, weil Öl tatsächlich schon knapp ist, sondern, weil Menschen meinen, dass es knapp werden könnte. Und so verlagern sich die Vorräte aus den Supermärkten in die heimischen Keller und Vorratskammern. Und so manche Flasche Öl wird dort wohl auch unangebrochen ihr Haltbarkeitsdatum überschreiten – Hauptsache, man hat was.
Einen ganz anderen Ton schlägt das Bibelwort an, das über dem heutigen Tag steht. Dort lesen wir aus dem Ersten Timotheusbrief: „Es ist die Frömmigkeit eine Quelle großen Reichtums - wenn sie mit Genügsamkeit verbunden ist. Denn nichts haben wir in die Welt mitgebracht, so können wir auch nichts aus ihr mitnehmen.“
Die Frömmigkeit ist eine Quelle großen Reichtums, wenn sie mit Genügsamkeit verbunden ist. Wie darf ich das denn jetzt verstehen? Soll ich kräftig beten, wenn der letzte Tropfen Livio im Salat verschwunden ist, damit mir das Grünzeug auch nur mit Balsamico-Essig schmeckt? Nein, so ist es ganz sicher nicht zu verstehen. Paulus will hier allerdings sehr wohl verdeutlichen, dass uns materielle Interessen und Ziele in unserem Glaubensleben in aller Regel im Wege stehen.
Nicht das dicke Bankkonto, das teure Auto, das luxuriöse Haus im Grünen machen uns tatsächlich reich. Diese Dinge verlieren sehr schnell ihren Wert, wenn wir mit den wirklich existenziellen Lebensfragen konfrontiert werden. Wenn schwere Krankheit unser Leben komplett auf den Kopf stellt, wenn eine Partnerschaft zerbricht, wenn wir einen geliebten Menschen durch den Tod verlieren oder wir uns selbst mit unserer eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen haben, dann hilft uns unser wirtschaftlicher Reichtum nicht mehr weiter; und 20 Flaschen Sonnenblumenöl oder Berge von Toilettenpapier im Übrigen auch nicht.
Dann geht es im übertragenen Sinne ans Eingemachte. Hoffnung und Trost sind in diesen Situationen gefragt und wenn wir die erleben und in uns spüren können, dann ist das der Reichtum, vom dem Paulus schreibt und der aus unserer Frömmigkeit erwächst.
Wir gehen mit großen Schritten auf das Ereignis zu, das die Quelle dieses Reichtums speist: Ostern. Gott hat uns in Jesus Christus gezeigt, dass selbst nach der größten vorstellbaren Katastrophe ein Hoffnungslicht leuchtet, das niemals mehr verlöschen kann. Das Licht des Ostermorgens ist stärker als alles Leid und alle Not und trägt eben so viel stabiler, als jeglicher irdische Reichtum, auf den wir so oft so viel Wert legen und in dessen Erlangung wir so viel Kraft und Lebenszeit investieren.
Am Ende ist das der Weg in eine Sackgasse. Denn, wie Paulus es so treffend feststellt: Nichts haben wir in die Welt mitgebracht, so können wir auch nichts aus ihr mitnehmen. Und ich füge hinzu: auch kein Sonnenblumenöl. Amen

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  Wahrheit als Verbrechen

Wahrheit als Verbrechen

Heiko Frubrich, Prädikant - 18.03.2022

Sie haben niemanden umgebracht, sie haben keinen Einbruch begangen oder einen Überfall verübt. Sie sind nicht zum wiederholten Male schwarzgefahren und haben auch nicht in schöner Regelmäßigkeit Parfum, Schmuck oder wertvolle Kugelschreiber aus einem Luxuswarengeschäft mitgehen lassen und doch sitzen sie im Gefängnis. Ihr Verbrechen: Sie haben eine Meinung oder Weltanschauung, die den Machthabern eines Landes nicht in den Kram passt.
Politische Gefangene, so nennt man sie und heute, am 18. März, ist ihr internationaler Gedenktag. Sie wurden inhaftiert, weil die Mächtigen in totalitären Staaten so ihre Probleme mit der Wahrheit haben, weil sie sie mundtot machen wollen, damit ihre eigene Wahrheit nicht als das entlarvt werden kann, was sie ist: als Lüge.
Auf deutschem Boden waren es die Nationalsozialisten, die Menschen wegsperrten und ermordeten, die sich offen und vernehmlich gegen ihre Doktrin aussprachen. Es waren aber auch die staatlichen Organe der DDR die Regimekritiker hinter Mauern und Stacheldraht verbannten.
Glücklicherweise ist das mittlerweile Geschichte. Keine Geschichte, sondern bittere Realität ist es allerdings, dass in Belarus das in der Öffentlichkeit frei gesprochene Wort die eigene Freiheit gefährdet. Und wer in Putins Russland den Krieg einen Krieg nennt, riskiert ebenfalls jahrelange Haft.
Die Mächtigen scheuen die Kritik ihres Volkes, sie scheuen die Wahrheit, weil sie ahnen, dass diese Wahrheit stärker und mächtiger ist, als ihr eigenes auf Repressalien und Angst aufgebautes System. Sie haben Angst, ihre Macht und ihre Privilegien zu verlieren, sie haben Angst, dass sie sich selbst den Regeln von Recht und Gerechtigkeit stellen müssen. Und daher schließen und sperren sie jeden weg, von dem sie meinen, er könnte ihnen gefährlich werden. Und so verbreiten sie nicht nur Angst unter der eigenen Bevölkerung, nein sie leben auch selbst ständig in der Angst, sie könnten untergehen.
Wie viele Menschen weltweit aus politischen Gründen im Gefängnis sitzen, ist nicht zu greifen. Doch überall dort, wo es keine Meinungs- und Pressefreiheit gibt, werden sie zu finden sein. Auch in unserem Land gehen gerade in der letzten Zeit immer wieder Menschen auf die Straße und warnen vor totalitären Entwicklungen, monieren die vermeintlich fehlende Freiheit der Meinung und kritisieren unseren Staat als diktatorisch. Doch allein die Tatsache, dass sie das dürfen, ohne eingesperrt zu werden, sollte zum Nachdenken anregen.
Jesus Christus sagt im Johannesevangelium: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Gesellschaften, in denen Freiheit herrscht, brauchen sich vor der Wahrheit nicht zu verbarrikadieren. Sie halten sie aus, auch, wenn sie unbequem ist. Die Menschen, die weltweit in den Gefängnissen sitzen, weil sie dieses Prinzip verstanden haben, fühlen sich der Wahrheit verpflichtet. Sie brauchen unsere Solidarität – nicht nur am Tag der politischen Gefangen. Amen.

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  Blutspur zur Herrlichkeit?

Blutspur zur Herrlichkeit?

Heiko Frubrich, Prädikant - 17.03.2022

Am vergangenen Sonntag war der Bericht über Jesus im Garten Gethsemane Predigtthema. Jesus geht hier nach dem letzten gemeinsamen Abendmahl am Gründonnerstag mit seinen Jüngern in diesen Garten, um zu beten. Er geht allein und bittet seine engsten Vertrauten auf ihn zu warten und zu wachen und zu beten. Jesus ist voller Angst und Verzweiflung, weil er weiß, was auf ihn zukommen soll: Demütigung, Schmerz und ein qualvoller Tod am Kreuz. Und so wendet er sich an Gott in der Hoffnung, dass dieser ihm dieses schwere Schicksal doch ersparen möge. Gott könne in seiner Allmacht ja vielleicht auch einen anderen und weniger grausamen Weg finden, um sich mit den Menschen dauerhaft auszusöhnen.
Doch Jesu Bitten und Gebete bleiben in dieser Nacht ohne Antwort. Gott schweigt eisern und Jesu engste Freunde fallen als Unterstützung ebenfalls aus. Anstatt mit Jesus zu wachen und zu beten, schlafen sie ein. Am Ende stellt sich Jesus den eintreffenden römischen Soldaten und Judas verrät ihn durch einen Kuss.
Soweit in aller Kürze der Hergang der Geschichte. Es bleibt festzuhalten, dass Jesu in Todesangst vor Gott gebrachtes Bitten und Flehen offensichtlich nichts gebracht haben. Gott hält an seinem Plan fest. Jesus wird gefoltert, gedemütigt und schließlich umgebracht. Der Weg zu unser aller Erlösung, der Weg zu Gottes Herrlichkeit, der Weg zum ewigen Leben ist markiert durch eine Blutspur. Und ich frage mich: Musste das wirklich sein?
Jesu Kernbotschaft an uns Menschen, seine Regel für ein friedvolles und gedeihliches Miteinander lässt sich auf den Punkt bringen mit dem Satz: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Viel mehr muss man vom Evangelium gar nicht verstanden haben, wenn man wissen möchte, wie Gott sich unser Zusammenleben vorstellt. Geht anständig miteinander um, gebt von der Liebe, mit der ich euch liebe, an andere weiter.
Würde Herr Putin, der sich ja gern in christlichem Umfeld zeigt, redlich nach dieser Maxime denken und handeln, hätte er niemals einen Krieg vom Zaun gebrochen. Und auch Menschen einzusperren, nur, weil sie eine andere Meinung vertreten, geht mit „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ nicht zusammen.
Doch wenn ich auf die Ereignisse der Karwoche schaue und mir vor Augen halte, was selbst Gottes Sohn hier aushalten muss, dann lässt mich das durchaus auch fragend zurück. Doch auch hier, und ich werde nicht müde, es immer wieder zu sagen, müssen wir die Verantwortlichkeiten sauber auseinanderhalten. Denn wer hat Jesus Leid und Schmerz zugefügt und ihn final umgebracht? Es waren Menschen. Es war nicht Gott. Und wer hat es am Ende wieder gerichtet? Wer hat Jesus aus den Tiefen des Todes herausgeholt und ihn eben nicht vergessen und alleingelassen? Das waren nicht die Menschen, sondern hier ist Gott auf wunderbare Weise tätig geworden.
Das menschliche Werk war mit dem Karfreitag beendet – Stein vors Grab und Schluss. Doch Gottes wunderbares Handeln ging weit darüber hinaus. Und nur so wurde es überhaupt möglich, dass Jesus noch einmal zu seinen Jüngern kam und sie begrüße mit den Worten: „Friede sei mit Euch!“
Jesu Sterben war für Gottes Plan unabwendbar. Es war Voraussetzung für Gottes Sieg über den Tod. Und Jesu Wort an seine Jünger, das er trotz all seiner Qualen so sprechen konnte, es gilt auch uns. Friede sei mit euch! Amen.

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  Erste und zweite Klasse?

Erste und zweite Klasse?

Heiko Frubrich, Prädikant - 16.03.2022

„Und ich konnte sogar in der ersten Klasse fahren, ohne dass es mehr gekostet hätte“, berichtete mir neulich eine Bekannte, die mit der Bahn unterwegs war und durch ein besonderes Angebot in diesen Genuss kam. Ja, diese feinen, kleinen Unterschiede gibt es in vielen Bereichen unseres Lebens. Nicht nur in der Bahn oder im Flugzeug reist man in der ersten Klasse komfortabler. Auch die private Krankenversicherung mit Chefarztbehandlung und einem Einzelzimmer im Krankenhaus bietet besondere Vorzüge.
Und da sind ja nicht nur die materillen Aspekte. Nein, auch mental passiert da was. Es ist einfach schicker, wenn man beim Boarding auf dem Flughafen vor allen anderen einsteigen darf oder eben im Zug den Kaffee an den Sitzplatz gebracht bekommt und sich nicht durch den ganzen Zug Richtung Speisewagen auf den Weg machen muss.
Dadurch haben diejenigen, die in der zweiten Klasse reisen zunächst einmal keinen spürbaren Nachteil. Die Erste-Klasse-Reisenden schaden ihnen nicht, außer, dass sie vielleicht so ein kleines Neidgefühl auslösen, aber das ist es dann ja meist auch schon.
Anders verhält es sich, wenn bei Menschen, die in echten Notlagen sind, auf einmal angefangen wird, diese in Klassen einzuteilen. Ganz aktuell sehe ich diese Gefahr bei den Geflüchteten, die nun eben nicht mehr nur aus Syrien, Afghanistan und verschieden Ländern Afrikas zu uns kommen, sondern auch aus der Ukraine. Die Solidarität und die materielle Hilfsbereitschaft für diese Menschen ist überwältigend und das ist auch gut so.
Doch es gibt eben auch einige Stimmen, die merkwürdige Töne anschlagen. So konnte man in der Neuen Züricher Zeitung lesen, dass es sich bei den Menschen, die aus der Ukraine zu uns und zu unseren europäischen Nachbarn kommen, nun mal um „echte Flüchtlinge“ handelt. Stellt sich die Frage, welche „Flüchtlings-Qualität“ dann zum Beispiel den Menschen zugeordnet wird, die vor einigen Monaten an der belarussisch-polnischen Grenze gestrandet sind und in winterlicher Kälte um ihr Leben kämpften. Waren und sind sie keine „echten“ Flüchtlinge und muss man sich somit um sie nicht so intensiv kümmern, wie um andere?
Ich finde solche Gedanken höchst gefährlich. Die Etablierung eines Zweiklassensystems bei geflüchteten Menschen, die bei uns im freien und demokratischen Teil Europas Zuflucht suchen, weil sie in ihrer Heimat um ihr Leben fürchten müssen, zerstört die europäische Idee. Und, was noch schwerer wiegt: Sie ist für mich vollkommen unvereinbar mit christlichen Werten.
Jesus hat sich immer auf die Seite der Schwachen und Ausgegrenzten gestellt und er hat dabei nie gefragt, welche Nationalität, welches Geschlecht, welchen Bildungsgrad oder was auch immer sie haben. Bei Gott sitzen alle Menschen in der ersten Klasse und ich sehe es als seine Erwartungshaltung an uns, dass wir helfen, wo Hilfe gebraucht wird und dass wir bei jeder und jedem, der in Not ist, den Menschen sehen und nur den Menschen.
„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“, sagt Jesus Christus. Das sollte Maxime unseres Denkens und Handelns sein. Nicht mehr aber eben auch nicht weniger. Amen.

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  Die Welt muss erfahren, was hier geschieht!

Die Welt muss erfahren, was hier geschieht!

Henning Böger, Pfarrer - 15.03.2022

Am dritten Tag des Krieges gegen die Ukraine standen an der Grenze ins Nachbarland Rumänien hunderte von Menschen in einer kilometerlangen Schlange, um ihre Heimat zu verlassen. James Elder war in die andere Richtung unterwegs: ins Land hinein.
James Elder ist Sprecher von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.
Der 51Jährige reist dorthin, wo Menschen, vor allem Kinder, leiden. Seit Ende Februar
ist er mit seinem Team von Unicef im Westen der Ukraine unterwegs.
James Elder fährt zu Familien, die tagelang an den Grenzen warten. Er drängt sich
mit Tausenden, die in den Bahnhöfen auf einen Platz im Zug warten. Er besucht Flüchtlingszentren, wo die Menschen sich ausruhen, medizinisch versorgt werden,
etwas essen und duschen können. Viele Menschen in der Ukraine wurden über Nacht
zu Flüchtlingen. Sie mussten ihr Zuhause überstürzt verlassen, nun suchen sie Schutz und Sicherheit.
Überall, wo er hinkommt, spricht James Elder mit den Menschen, hört ihnen aufmerksam zu, um dann ihre Geschichten weiterzuerzählen. „Die Welt muss erfahren, was hier geschieht,“ sagt er: „Das Schlimmste, auch wenn es schwer zu glauben ist, ist, dass es noch schlimmer werden kann.“
Gibt es in all dem Schrecken überhaupt so etwas wie Hoffnung, Herr Elder? Ja, sagt
der erfahrene Krisenmanager: Es sei vor allem die Art und Weise, wie die Ukrainer sich gegenseitig helfen: „Die Menschen halten zusammen und teilen, was sie haben.
Ich habe Flüchtlinge gesehen, die unter zwei Decken in der Kälte trotzdem frieren.
Wenn aber neben ihnen jemand ganz ohne Decke ist, geben sie eine ab.“
Und es seien die Kinder, die Anlass zur Hoffnung geben.
Eine berührende Geschichte, die James Elder in die weite Welt hinaus erzählt, ist die von Sofia. Das Mädchen saß tagelang in einem Bunker saß, hat seine Freunde zurückgelassen und weiß nicht, wo es bald leben wird. Aber Sofia konnte ihre Katze retten, die sie nun tröstet. „Als Sofia mir ihre Katze zeigte und sie streichelte, konnte sie wieder lächeln.“ Wer James Elder auf Twitter folgt, liest diesen Tweet: „Mehr als alles andere brauchen die Kinder in der Ukraine dringend Frieden. Jetzt.“

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