Architektur

Braunschweiger Dom, Blick vom Burgplatz
Braunschweiger Dom, Blick vom Burgplatz

Außenarchitektur

Der Braunschweiger Dom wurde ab 1173 im Auftrag Heinrichs des Löwen, Herzog von Sachsen und Bayern, erbaut. Der Westbau steht in der Tradition des sogenannten „sächsischen Westriegel“, wie er uns zum Beispiel in der ab 1135 von Kaiser Lothar III. errichteten Stiftskirche im nahen Königslutter erhalten ist. Diese geschlossene Gestaltung der Westfassade ist wie geschaffen, um die Macht eines Herrschers in der Architektur zum Ausdruck zu bringen. Die Südfront des Domes ist in ihrer Gestaltung nicht so ruhig wie ihr Pendant auf der Nordseite. An das Querhaus schließt sich die Taufkapelle aus dem 19. Jahrhundert an. Die Ostfront des Domes ist die am wenigsten veränderte Seite des ganzen Baues.

Hier ist die Romanik, lebend von der Aneinanderfügung von Raumteilen, am reinsten erhalten. Geometrische Körper und schlichte Flächen, eingefasst von Lisenen und Rundbogenfries und durchbrochen von Fenstern, bestimmen das Bild. Die Nordseite des Domes zeigt sich bis auf das frühgotische Dreipassfenster im Obergaden des Mittelschiffs und die baulich behutsam eingefügte spätgotische Wand des Seitenschiffes ebenfalls in romanischem Gewand. Bemerkenswert ist, dass das westliche Fensterpaar höher ist und auch zwischen die Fenster Lisenen gesetzt sind, während üblicherweise in der Romanik auf diese Weise nur die Jochgrenzen hervorgehoben werden.

Ostseite des Doms

Anfang des 13. Jahrhunderts wurde das Dreipassfenster im östlichen Joch eingefügt. Das Schmuckfenster kennzeichnet nach außen die Stelle, an der im Inneren Heinrich der Löwe und seine Gemahlin Mathilde bestattet sind. Im nördlichen Querhausarm befindet sich das legendäre „Löwenportal“, das einzig erhaltene romanische Portal. Legendär deshalb, weil die tiefen Kratzspuren in seinem Gewände stets zu Sagen Anlass boten. Der Löwe, der treue Begleiter des Welfenherzogs, soll hier seine Pranken hinein gehauen haben, da er seinen Herrn auch im Tode nicht allein lassen wollte.

Auch das Schwertwetzen der in den Kampf ziehenden Ritter wird mit den Einkerbungen in Verbindung gebracht. Es ist jedoch am wahrscheinlichsten, dass hier, wie so oft, der mittelalterliche Brauch des „Sandauskratzens“ für Heilzwecke geübt wurde. Auf der Burgplatzseite des Doms befindet sich das Nordportal mit der Jahreszahl 1496, das schon im romanischen Seitenschiff die Funktion eines Haupteinganges hatte. Es wird mit einem Kielbogen umrahmt, der mit Krabben geschmückt ist und oben in einer Kreuzblume endet. Sie sitzt zwischen den beiden schmalen Fensterbahnen, die sich über dem Portal erheben.

Innenraum

Wird der Dom über den Burgplatz betreten, gelangt der Besucher zuerst in das nördliche Seitenschiff. Es stammt aus dem 15. Jahrhundert und vermittelt einen Eindruck über den Baufortschritt von Osten nach Westen. Während im Osten noch einfache Rautengewölbe vorhanden sind, weist der westliche Teil kompliziertere Netzformen auf. Auch die Säulen unterscheiden sich: Die westlichste ist in sich geschraubt, während die anderen nur durch aufgelegte Rundstäbe die Rundung vortäuschen.

Tudorbögen der Fenster und die Dekoration der Säulen lassen Parallelen zu englischen Baustilen erkennen. Die Vermutung liegt nahe, dass englische Bauleute aus der Heimat von Heinrichs Frau Mathilde hier ihr Wissen weitergegeben haben. Das südliche Seitenschiff ist, bis auf den Anbau, in seinem ursprünglichen Zustand erhalten und wird von schlichtem Kreuzgratgewölbe gedeckt. Das Kreuzgratgewölbe wird alle zwei Joche durch dicke Blattrippen getrennt.

Impressionen

Blick vom Burgplatz
Blick vom Burgplatz
Nördliches Seitenschiff
Nördliches Seitenschiff
Mittelschiff
Mittelschiff
Südliches Seitenschiff
Südliches Seitenschiff

Die Gewölbefüße ruhen auf den Kämpfern der Pfeiler, für die Gurtbögen sind extra Vorlagen angebracht. Der Anbau des Seitenschiffes aus dem 14. Jahrhundert ist mit Kreuzrippengewölben gedeckt, das gotisches Maßwerk mit Drei- und Viererpässen zeigt. Die Zusammenfassung von jeweils zwei Jochen weist auf das verwendete Grundrissschema des „Gebundenen Systems“ hin. Es wurde in gewölbten Kirchenbauten der Romanik häufig eingesetzt und ordnet einem Mittelschiffsjoch jeweils 2 Seitenschiffjoche zu. Es verbindet so Raumteile und setzt sie in Beziehung. Im Mittelschiff wird dieses System durch die Betonung jedes zweiten Pfeilerpaares, dem kantige Vorlagen angesetzt sind, die im oberen Bereich die Gewölbefüße tragen, noch deutlicher.

Durch das Fehlen von jochtrennenden Gurten, wie sie im südlichen Seitenschiff zu finden sind, ist im Mittelschiff ein einheitlicher, zum Chor als liturgischem Zentrum ausgerichteter Raumbezug geschaffen worden. Die vierjochige Basilika besitzt neben dem Querschiff und dem Chorraum auch ein gewölbtes Langhaus, was von Baubeginn an so angelegt war, womit der Dom zu den frühesten vollgewölbten Großbauten Niedersachsens gehört.

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