Das Wort zum Alltag

Warum eigentlich nicht?


Kürzlich saßen wir mit einer werdenden Mutter zusammen auf unserem Balkon. Mit ganz viel Vorfreude ging es um den runden Bauch, Geburtstermine, Elternzeit und was an fröhlichem Geplauder einem noch in den Sinn kommt, wenn ein kleiner Mensch sein baldiges Kommen ankündigt. Irgendwann sagte mein Mann zu ihr: „Das Kind wird aber getauft.“ Kurzes Stocken und dann ein: „Hm. Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Aber eigentlich bin ich doch gar nicht so richtig christlich.“ Ihr Bruder hüstelte und guckte sie mit fragendem Blick an. „Siehst Du, selbst er glaubt Dir nicht.“, ergänzte mein Liebster triumphierend. Und dann kam für mich überraschend: „Na ja. Als Jugendliche vielleicht. Damals war ich regelmäßig im Gottesdienst. Und dann die Freizeiten und die Jugendarbeit. Aber seither…“ „Ok;“, fragte nun wiederum ich, weil ich das eigentlich schon als eine sehr große Kontaktfläche zum Christentum empfand, „was genau würdest Du denn von Dir als Christin erwarten?“ Die Antwort: „Meine Mutter war damals im Kirchenvorstand und im Besuchsdienstkreis. Ich gehe höchstens Weihnachten in die Kirche. Warum soll ich mein Kind taufen lassen, wenn ich es ihm nicht regelmäßig vorlebe?“

Ein hoher Selbstanspruch. Ein zu hoher, denke ich. – Meine Frage wäre eher: Warum sollte man sein Kind nicht taufen lassen? Der Glaube gleicht einer Sprache. Wenn ich nie englische Vokabeln und Grammatik gelernt habe, dann werde ich mich auch nicht entscheiden können, englisch zu sprechen. Es fehlt schlicht und ergreifend das Knowhow. Dazu kommt: Was als Kind im Vorübergehen wahrgenommen wird, wird doch von der Jugendlichen und dem jungen Erwachsenen ohnehin noch einmal auf den Prüfstand gestellt. Finde ich das, was ich da gehört habe, plausibel? Bewahrt es Wissen, das weitergegeben zu werden lohnt? Kann ich mich überhaupt für die Werte und Ideen erwärmen, und will ich sie auf mein Leben anwenden? Als erwachsener Mensch wird es dagegen ungleich schwerer, die Grundlagen der Religion zu erlernen. Damit meine ich gar nicht das Sachwissen, das kann man sich anlesen. Was aber schwer sein wird, ist das Sich-Fallenlassen in den Glauben: in das Gebet oder das Gefühl für jene Sphäre, die uns umgibt, die aber nicht handfest greifbar ist.

Ich bin davon überzeugt, dass es lohnt, das Liebesgebot Christi weiterzusagen und zu leben. Und ich kann für mich sagen, wie gut es tut, Stärkung im Gebet zu finden. Deshalb hoffe ich, dass die werdende Mutter sich für das: „Warum nicht!“, entscheidet, und gemeinsam mit ihrem Kind selbst noch einmal auf Entdeckungsreise geht. Gute-Nacht-Lieder, der Blick in eine Kirche, das Entzünden einer Kerze, ein kurzes gemeinsames Gebet, eine Kinderbibel durchblättern – es muss doch gar nichts Großes sein, um einen ersten Zugang zu finden. Erst so stellt man sicher, dass das Kind sich einst wirklich selbst entscheiden kann.


Ihre Dompfarrerin Katja Witte-Knoblauch

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