Das Wort zum Alltag

Srebrenica


Eugen Eckart, hessischer Fußballpfarrer und Liederdichter, hat sich daran gewagt, auch die Psalmen in neue Sprache zu gießen. Der 39. Psalm beginnt bei ihm so:
„Ein Aufschrei, Gott, ist mein Gebet. / Siehst du denn nicht, wie’s um mich steht? / Sind meine Tränen dir egal? / Geh ich allein durch’s Jammertal? / Schweig nicht zu Bosheit, Hohn und Spott, / erweise dich als Herr und Gott…“
Menschen, die so bitten und beten, sei es zur Zeit des Königs David oder heute, am Anfang des 21. Jahrhunderts, kennen die Einsamkeit, wenn etwas Schlimmes passiert. Nicht nur, dass das Leben in Brüche geht, oft sind auch andere so unsicher, wie sie mit einem Unglücklichen reden sollen, dass sie lieber gleich die Straße wechseln. Dann ist man schnell ganz allein im Jammertal.
Manche dieser Schmerzen heilen, Krankheiten verschwinden, man findet einen neuen Partner, anderes wird zum Lebensthema und nie wieder gut.
Gestern haben Menschen, vor allem Frauen, die ihre Männer, Brüder und Söhne verloren haben, nach Den Haag geschaut und gewartet, ob ihnen Gerechtigkeit widerfährt.
Dort stand Ratko Mladic vor Gericht und wurde zu lebenslanger Haft schuldig des Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.
Die Frauen von Srebrenica sind seit 25 Jahren verwitwet, verwaist.
Ob sie nun Frieden finden, innerlichen, äußerlichen, zur Ruhe kommen können, ein bisschen Heilung erfahren?
Wer weiß.
Srebrenica hat sich verändert. Auf dem Friedhof mit den tausenden weißen Stelen liegen mehr Menschen als in der Stadt wohnen. Es gibt zwar wieder Muslime und auch ein neues Minarett, ein gemeinsamer Alltag scheint möglich. Aber über den Krieg und seine Opfer wird geschwiegen.
Kriege haben keine Gewinner, wer sein Leben retten konnte, hat seine Hoffnung, sein Zutrauen in die Menschen verloren. Alle haben sie lebenslänglich…
Es scheint kein Entrinnen zu geben, und doch oder vielleicht gerade deswegen endet Eugen Eckarts Psalmgebet:
„Lehr uns zu nutzen unsre Zeit / als Vorspiel deiner Ewigkeit. / Lehr uns zu teilen Land und Brot, / uns beizustehen in der Not. / Wo ein Mensch einem andern traut, / wird Stück um Stück dein Reich gebaut.“

Dompredigerin Cornelia Götz

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