Das Wort zum Alltag

Ich werde nicht glauben an das Recht des Stärkeren...


In dieser zurückliegenden Woche hat sich die Hinrichtung von Sophie und Hans Scholl und ihres Freundes Christoph Probst gejährt. Immer wieder ist deshalb auf verschiedenen Kanälen an diese drei Studenten erinnert worden. Inge Scholl, die ältere Schwester von Hans und Sophie erzählt, wie die beiden Medizinstudenten Hans Scholl und Christoph Probst irgendwann fassungslos konstatierten: „Aber ist es nicht ein Unsinn, dass wir daheim in unsern Zimmern sitzen und lernen, wie man Menschen heilt, während draußen der Staat täglich zahllose junge Menschenleben in den Tod treibt? Worauf warten wir eigentlich? Bis eines Tages der Krieg zu Ende ist und alle Völker auf uns deuten und sagen, wir haben eine solche Regierung widerstandslos ertragen?“
Wir wissen, dass es dabei nicht geblieben ist, dass die weiße Rose Flugblätter schrieb, vervielfältigte und verteilte. Wer ihre Briefe und Tagebuchaufzeichnungen liest oder die Berichte derer, die sie in den letzten Stunden begleiteten und erlebten, der ahnt auch einen ungeheuer starken und zuversichtlichen Glauben. Es ist keine naive Frömmigkeit, sondern eine innerer Kraft, die offenbar bis zum letzten Moment getragen hat.
Vielleicht hätten sich die Mitglieder der Weißen Rose ja mit folgendem Glaubensbekenntnis von Dorothee Sölle einverstanden erklärt:
Ich werde nicht glauben an das Recht des Stärkeren, / an die Sprache der Waffen, / an die Macht der Mächtigen.
Sondern ich will glauben an das Recht des Menschen, / an die offene Hand, / an die Macht der Gewaltlosigkeit.
Ich werde nicht glauben an Rasse oder Reichtum, / an Vorrechte, an die verfestigte Ordnung.
Sondern ich will glauben, / dass alle Menschen Menschen sind, / dass die Ordnung der Macht und das Unrecht Unordnung sind.
Ich werde nicht glauben, dass alle Mühe vergebens ist.
Ich werde nicht glauben, dass der Traum der Menschheit ein Traum bleiben wird, / dass der Tod das Ende ist.
Sondern ich wage zu glauben, / allezeit und trotz allem, an Gottes eigenen Traum: / Ein neuer Himmel, eine neue Erde, / wo Gerechtigkeit wohnen wird. Amen.

Dompredigerin Cornelia Götz

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