Das Wort zum Alltag

Wieder einmal: Trotzdem! Trotz alledem!


„Kein Friede weit und breit.“ Mit diesen Worten habe ich das gestrige Wort zum Alltag überschrieben, das auf die Frage eingeht, warum Gott nicht derjenige ist, der Frieden in dieser Welt wirkt. Geschrieben hatte ich es allerdings schon am Dienstag – und dann kamen die Nachrichten am Mittwoch. Wieder ein Terroranschlag in Europa. Wieder jemand, der nicht aus einer anderen, fremden Kultur in unser Land gekommen ist, sondern einer, der in England geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen ist und sich dennoch gegen sein eigentliches Vaterland gewendet hat. Und dazu scheint mir schlimm, dass es sich fast schon so anfühlt, als gewöhnten wir uns an diese Art von Gewalt. Natürlich betrifft es noch, wenn Menschen getötet werden, wenn wieder jemand freiwillig den eigenen Tod in Kauf nimmt, um das selbst gesteckte Ziel, möglichst viele andere Menschen in den Tod zu reißen, zu verwirklichen. Aber inzwischen ist es eben nicht mehr das erste, zweite oder dritte Mal, sondern gefühlt der Anschlag vor dem Anschlag danach. Tatsächlich folgten dann die Meldungen, dass ein weiterer Anschlagsversuch in Antwerpen hat verhindert werden können. Auch dort wieder ein Europäer, dieses Mal ein Franzose. Wie enttäuscht muss eigentlich solch ein Mensch vom eigenen Leben, von der eigenen Gesellschaft sein; wie wenig muss er an Zukunft und Veränderungsmöglichkeiten glauben; wie sehr muss er sich in seinem apologetischen Hamsterrad festgefressen haben, um vor sich selbst zu rechtfertigen, dass das Töten von Menschen richtig sei.

Kein Friede weit und breit. Und uns bleibt nichts weiter zu sagen als: Trotzdem. Trotz alledem wollen wir festhalten an dem Gedanken des Friedens. Paulus schreibt an seine Gemeinde in Galatien (Gal 13,11): „Zuletzt, liebe Schwestern und Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.“

Wir haben einen Gott, der sich im Menschen Jesus Christus auf einen Weg der Liebe und des Friedens festgelegt hat. Gerade in der Passionszeit ist deutlich, dass dieser Weg ein schwerer, oftmals schmerzlicher, manchmal dorniger Weg ist. Ja, ein Weg, der sogar scheinbar notwendig scheitert. – Doch für uns Christen steht nicht die Gewalt, sondern die Botschaft von der Auferstehung am Schluss. Sie ist der tiefste Kern unseres Glaubens. Sie streckt die lange Zunge, die den Tod verhöhnt. Sie entspricht dem leisen, aber festen Widerstand gegen den Unsinn dieser Welt. Sie steht für die Überwindung von Hass und Gewalt, die Menschen einander antun. Die Auferstehung lacht leise: trotzdem. In einer unerlösten Welt, die sich, Gott allein weiß warum, mit Leid, Elend und Bosheit herumzuschlagen hat, ist es gut, dass Gott in Christus alledem widerspricht, indem er sich selbst von solchem Tun frei hält und stattdessen einst sogar vorzog, für uns seinen Tod zu erleiden.

Ihre Dompfarrerin Katja Witte-Knoblauch

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