Das Wort zum Alltag

Fröhlich. Geduldig. Beharrlich.


Rund um unser Mittagsgebet wurde und wird heute getauft. Und im Anschluss an diese Andacht findet eine Führung statt, die unser Nordschiff mit dem Taufbecken, dem Osterleuchter und dem Kreuz des Meisters Imervard genau anschauen wird. Die Taufe als Grund zur Freude, als Wegbereiter eines Lebens, das sich bewusst macht, wertvoll und gut zu sein; auch wenn letztlich natürlich kein Leben ohne Finsternis bleibt. Und die Kindertaufe ist noch einmal mehr Grund zur Freude. So ein kleines Bündel Mensch im Arm, ein Geschenk Gottes und selbst jenen, die religiös unmusikalisch sind, ein Wunder auf Erden. Die Eltern, mit denen ich spreche, möchten im Taufgottesdienst eigentlich immer zuerst Gott danken für das, was sie mit ihren Kindern erleben. Für den Menschen, aber auch für die neue Perspektive: sie erkennen einmal mehr, wie sehr es sich lohnt, sich für die Zukunft einzusetzen, weil das eigene Kind natürlich auch in einer guten Zukunft leben soll.

In der letzten Zeit jedoch erzählen mir viele Eltern von ihrer Sorge, was die Welt betrifft. Und die Ereignisse der letzten Tage bestätigen sie einmal mehr darin. Dann stehen plötzlich Fragen um die eigene Sicherheit im Raum, und man unterhält sich z.B. darüber, ob man noch nach Wacken zum Konzert fahren kann oder es lieber sein lassen sollte. Was lohnt als terroristisches Ziel – und wo also sollte man selbst lieber nicht sein? Lautet eine neue Frage. Meine Vernunft sagt mir, dass solche Gedanken nicht lohnen. Denn es bleibt um ein vieles wahrscheinlicher, dass ich bei einem Verkehrsunfall verunglücke, als dass ich einem Attentat zum Opfer falle. Und trotzdem kann ich diese Unsicherheit der Eltern nachempfinden; denn auch ich nehme bange wahr, wie leichtfertig in diesen Tagen auf politischer Ebene gesprochen und gehandelt wird; wie sehr Twitter mit seinen wenigen Zeichen als Medium politischer Mitteilung an Bedeutung gewonnen hat; und wie sehr Selbstverständlichkeiten wie Toleranz, Demokratie und Gleichberechtigung überraschend zu wanken scheinen. Da kann ich meine Taufeltern gut verstehen, die sich von Taufe und Segen – auch wider besseres Wissen –ein bisschen Schutzzauber wünschen. Der Glaube ist tatsächlich kein Zauber, aber ein Weg. Und das Ziel unseres Glaubens heißt Leben. Unser Tun sollte sich danach ausrichten und unser Hoffen auch. Im Römerbrief heißt es:

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ (Röm 12,12)

Wahrscheinlich ist es das, was ich meinen jungen Christenmenschen wünsche: dass sie sich in schweren Zeiten nicht unterkriegen lassen, sondern geduldig an dem festhalten, was gut und richtig ist; dass sie beharrlich bleiben in dem, woran sie glauben, und dass sie sich am Ende ihre Fröhlichkeit, Freude und Lust nicht nehmen lassen.


Ihre Dompfarrerin Katja Witte-Knoblauch

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