Das Wort zum Alltag

Johannistag


„Bis Johanni nicht vergessen, sieben Wochen Spargel essen.“
So weit sind wir schon wieder im Jahr. Heute ist Johannistag; unsere katholischen Geschwister feiern ein Hochfest: Die Geburt Johannes‘ des Täufers. Zurückgerechnet von der Geburt Jesu und Mariae Verkündigung ergibt sich das antike Datum der Sommersonnenwende. Das griechische Wort dafür heißt übersetzt „Stillstand der Sonne“ – denn von jetzt an läuft die Zeit anders, verändert sich das Licht, die Tage werden dunkler bis Weihnachten, dann steht die Sonne wieder.
Der Bezug auf das uralte Wissen um den längsten und den kürzesten Tag des Jahres, immerhin: der älteste Turm der Welt, der von Jericho aus dem 9. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung, steht genau an der Stelle, wo der Schatten des Hausberges zur Sommersonnenwende Jericho verdunkelt, dieser Bezug zu den astronomischen Gezeiten scheint sich auch in den Worten Johannes des Täufers zu spiegeln, der von sich selbst sagte: „Er, Jesus Christus, muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“
Es klingt, als hätte man verstanden, dass es kosmische Zeichen braucht, um zu ahnen, was kommt. So wurde der Tag herausgehoben aus dem Alltag. Es gab und gibt Sprichwörter, Bauernregeln, Bräuche, die sich alle um diesen Tag ranken.
Den Schönsten finde ich: das Bad im Tau der Johannisnacht. Es bringt Segen. Wirkt heilend und heilsam. Sicher, das klingt abergläubisch und hat einen seltsam esoterischen Touch, aber wenn ich ein Kind hätte, dass vor meinen Augen langsam stirbt, wenn mein Mann Krankheitssymptome hätte, deren Ursache keiner findet, wenn ich meine Familie hätte verlassen müssen und nicht wüsste, ob sie noch leben und wie es ihnen geht, wenn meine Kinder im Gefängnis verschwänden oder von Fundamentalisten zu Soldaten gemacht würden – und ein Bad im Tau der Johannisnacht würde helfen….
Die Kirchen haben durch die Zeit versucht, diese alten Rituale klein zu machen oder christlich einzufärben. Das mag dogmatisch richtig sein – es hilft aber nicht glauben zu lernen und in der Not
darauf zu vertrauen, dass nicht Glühwürmchen, Johannisfeuer, und Mondscheinbad uns bergen und heilen, sondern unser Gott, der heute ein erstes Zeichen gibt für das wunder, das kommt. Oder mit Dorothee Sölle:
„…Nachdenkend finde ich man kann / ihn nicht allein / für seine Vermutung / einstehen lassen / also glaube ich ihm / Gott
Wie man einem das lachen glaubt / das weinen / oder das heiraten das neinsagen / so wirst du lernen / ihm das allen versprochene leben / zu glauben“

Dompredigerin Cornelia Götz

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