Das Wort zum Alltag

Das Richtige tun


Das Richtige tun – wer will das nicht. Und um richtig zu handeln, braucht es – so heißt es – nur die richtigen Informationen. Deshalb werden wir allüberall informiert. Auf allen Kanälen hören wir von Giften in unseren Nahrungsmitteln, von Plastikkontinenten auf den Ozeanen, von Tierquälerei in der Massentierhaltung, von Menschenquälerei bei der Konsumgüterproduktion für den Westen. Der Journalist Marcus Rohwetter ist nun kürzlich in den Selbstversuch gegangen. Sein Ziel war es, möglichst verantwortungsbewusst einzukaufen. Und so stand er vor den Supermarktregalen und stellte fest: „Ich bin verwirrter denn je, trotz der vielen Transparenz. Oder gerade deswegen? Ich erkläre mich für überfordert. Umgehend durchflutet mich ein wohlig warmes Scheißegalgefühl, angenehm wie ein leichter Rausch. Ich lege die billigen Eier in meinen Einkaufswagen und meine Verantwortung ab.“ – Der Artikel geht noch recht lange weiter und beschreibt vor allem die Unmöglichkeit eines eindeutig moralischen Handelns durch den Konsumenten. Damit widerspricht Rohwetter grundlegend jenem Ideal, das behauptet, der Mensch könne die Welt durch sein Tun retten.

Also: Geht das überhaupt, das Richtige tun? Oder sollten wir nicht lieber wie der Journalist im Selbstversuch unsere Verantwortlichkeit ablegen und stattdessen den einfachsten Weg wählen? Ich denke, das Schöne am Dasein eines Christenmenschen ist, dass er trotz aller Beschränktheit seiner Möglichkeiten, dennoch verantwortlich handeln will. Denn schon Paulus wusste, dass er trotz bestem Willen zum Scheitern verurteilt ist. Und Jesus sagte zu einem, der es besonders gut machen wollte, den er dann aber an dessen wundem Punkt erwischt (Mk 10,27): „Die Seligkeit zu erlangen ist bei Menschen unmöglich; aber nicht bei Gott; denn bei Gott sind alle Dinge möglich.“ – Der Glaubende weiß sich also auf Gott bezogen, genauso wie er weiß, dass er mit seinem Tun notwendig scheitern wird. Rohwetter betitelt seinen Artikel mit den Worten: „Wie ich als Verbraucher beinahe den Verstand verlor“. Davor wäre er als Christenmensch gefeit. Denn ich weiß ja schon, bevor ich den Supermarkt betrete, dass meine Wahl beim Eierkauf evtl. falsch sein wird. Das macht aber nichts, solange mir nur nicht gleichgültig ist, ob ich die falsche Wahl treffe oder nicht. Hoffnung und Ziel bleiben gesetzt: Ich soll verantwortlich handeln und das richtige Tun wollen. Es geht um die innere Haltung, nicht um das, was gelingt. Es geht darum, dranzubleiben, statt bei Misserfolg alle Viere von sich zu strecken und in jenes berauschend wohlige Scheißegalgefühl wegzugleiten. Wichtig ist das „So gut wie möglich“ – und bestimmt auch das Gottvertrauen darauf, dass ER mir gelegentlich bei meinen Entscheidungen hilft – und ich am Ende nicht nur recht glaube, sondern sogar recht handle. Beim Einkaufen, im Miteinander und auch im Blick auf mich selbst.


Ihre Dompfarrerin Katja Witte-Knoblauch

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