Das Wort zum Alltag

Ein schweres Gebot...


Wissen Sie noch, was Sie gemacht haben, als Sie zweiundzwanzig waren? Ich hatte ein Abitur in der Tasche und eine abgeschlossene Ausbildung. Außerdem lagen mehrere Jahre Jugend- und Freizeitarbeit hinter mir. Damals entschied ich mich, dem nachzufolgen, was mein Herz mir als Weg vorgab: ich begann, Theologie zu studieren. Und weil das nur andernorts ging, lernte ich gleichzeitig, dass Kühlschränke sich nicht von alleine füllen, dass Wäsche schmutzig bleibt, wenn niemand sie in die Waschmaschine steckt, und dass positive Kontostände endlich sind. Kurzum: als ich zweiundzwanzig war, machte ich erstmals Bekanntschaft mit dem Erwachsenenleben.

Nun hat ein Zweiundzwanzigjähriger, Salman Abedi, entschieden, seinem Leben ein Ende zu setzen. Er wurde in Manchester geboren, er wuchs in Manchester auf, er scheiterte dort mit seinem Studium. Viel mehr wissen wir nicht von ihm. Nur noch, dass seine Familie vor einigen Jahren in ihre alte Heimat Libyen zurückgekehrt ist, und er sie dort regelmäßig besuchte. Wahrscheinlich reiste er von Libyen aus nach Syrien, tat dort den letzten Schritt der Radikalisierung und entschied zu sterben, um Kinder und Jugendliche seiner Geburtsstadt zu ermorden. Er selbst hätte das gewiss anders formuliert. Wahrscheinlich glaubte er sich als Märtyrer, als einen, der im Namen Gottes bereit ist, ernst zu machen und Opfer zu bringen. Was für ein Wahnsinn.

Was bringt einen jungen Mann, dessen Leben eigentlich noch vor ihm liegt, zu solch einer Tat? Woher der Hass? Diese Frage haben schon viele gestellt und mindestens genauso viele Theorien wurden als Antwort formuliert. Die Gründe werden vielschichtig sein: gescheiterte Integration, das Gefühl von bleibender Fremdheit in der Geburtsstadt, das Scheitern im Studium, radikalisierte Auslegungen des Korans, Peergrpoups, weiß Gott. Die Hilflosigkeit ist zu ahnen, die uns, die wir uns gerne vor solchen Angriffen schützen würden, begleitet. Es wird immer Unzufriedene, Gescheiterte, Fehlgeleitete geben. Und es gibt sie ja auch in unserem Land ganz ohne muslimischen Hintergrund. Hooligans, die gerne prügeln; Rechte, die Sündenböcke suchen; Unzufriedene, die jenen ihre Stimme geben, die daraus Kapital schlagen.

Was können wir Christenmenschen da überhaupt noch erwidern?

Jesus Christus spricht: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘ und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr dann für einen Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Mt 5,43-48)


Ihre Dompfarrerin Katja Witte-Knoblauch

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